Im Anschluss an eine Analysephase gehe Bookwire in Sachen Zebralution nun „die nächsten Schritte“, kündigte das Frankfurter Unternehmen am 30. April 2026 an. So soll das Publishing-Geschäft – gemeint sind hier die Aktivitäten rund um E-Books und Spoken-Word-Inhalte, nicht aber im Musikverlagsbereich – laut Bookwire „in den nächsten Monaten“ auf das eigene System Bookwire OS überführt werden. Kunden würden dann „schrittweise migriert“, um ihnen künftig „ein durchgängiges Setup mit klarer Entwicklungsagenda zu bieten“.
Die Migration auf Bookwire OS betrifft laut Bookwire-Angaben bei Zebralution aktuell zwölf Stellen. „Bookwire und Zebralution betonen, dass die Maßnahmen geordnet und schrittweise umgesetzt werden und dabei Transparenz, Respekt und faire Lösungen für Betroffene im Vordergrund stehen“, heißt es aus Frankfurt: „Natürlich wissen wir, dass diese Maßnahmen ein tiefer Einschnitt für die betroffenen Mitarbeitenden von Zebralution bedeutet. Solche Entscheidungen fallen immer schwer. Wir legen aber großen Wert darauf, für alle faire Lösungen zu finden“, ergänzt Bookwire-COO Christian Lindemann.
Das Musikgeschäft von Zebralution ist von diesem Umbau zunächst nicht betroffen: Vielmehr werde der „Music-Bereich organisatorisch als eigenständige Gesellschaft aufgestellt, um sich in seinem eigenen Ökosystem fokussiert weiterzuentwickeln“, betont man bei Bookwire. Die Aufstellung als eigenständige Gesellschaft dürfte auf einen möglicherweise angestrebten Weiterverkauf des Musikvertriebsarms hindeuten, ob in Form eines Buy-outs oder an externe Interessenten, bleibt zunächst offen.
Zebralution ging 2004 als unabhängiger Digitalvertrieb für Musik an den Markt, gehörte zwischenzeitlich zu Warner Music, feierte mit einer Gruppe an Gesellschaftern später seinen Independence Day, setzte zusätzlich auf Hörbücher und Podcasts, holte die EMS unters eigene Dach, wurde von der GEMA übernommen und zuletzt von der Verwertungsgesellschaft an Insight Partners veräußert. Beim Abschluss des Deals trat dann indes anstelle der US-Beteiligungsgesellschaft deren Tochter Bookwire als Käufer auf.
Bei Bookwire betont man derweil, dass der globale Publishing-Markt hart umkämpft und zunehmend technologiegetrieben sei. „In einem Umfeld, in dem globale Tech-Konzerne sehr schnell neue Märkte betreten und Wertschöpfungsketten in kürzester Zeit auf den Kopf stellen können, gewinnt langfristig nur, wer seinen technologischen Vorsprung weiter ausbaut und zugleich die Anforderungen von Verlagen und Labels sehr genau kennt“, kommentiert John Ruhrmann als Co-CEO & Co-Founder von Bookwire die Ausgangslage. Jens Klingelhöfer, ebenfalls Co-CEO & Co-Founder von Bookwire, ergänzt zudem, dass ein Unternehmen, das technologische Maßstäbe im Publishing setzt, zugleich auch Verantwortung übernehmen müsse: „Gerade weil unser Markt auf Technologie angewiesen ist und sich gleichzeitig durch KI verunsichert fühlt, sehen wir es als unsere Aufgabe, Haltung und Technologie zu verbinden.“ Die Bündelung des Publishing-Geschäfts auf eine Plattformwelt wertet man dabei laut Firmenangaben „nicht nur als eine Frage des technologischen Fokus, sondern auch der Effizienz“.
„Der Zusammenschluss mit Zebralution war ein wichtiger strategischer Schritt, weil er komplementäre Stärken und gewachsene Kundenbeziehungen zusammengebracht hat“, lässt sich Zebralution-Geschäftsführerin Tina Jürgens zitieren: „Das bringt uns in eine stärkere Position im Markt.“
Zebralution-Firmengründer Kurt Thielen, der sich 2023 aus der Geschäftsleitung zurückzog, befürchtet kürzlich im Gespräch mit MusikWoche „starke Einschnitte“ bei Zebralution.







