Recorded & Publishing

BMG macht Zomba dicht, behält aber den Vertrieb

Es deutete sich bereits an: Alle weltweiten Kreativbüros der Plattenfirma Zomba sollen auf Geheiß der BMG-Zentrale geschlossen werden. Ausnahmen sind das New Yorker Jive/Zomba-Office und die Außenstelle in London.

Den deutschen Traditionsindependent Zomba in Köln (früher Rough Trade) wird es künftig nicht mehr geben. BMG schließt die Records-Abteilung der Firma; 23 Mitarbeiter werden sich neue Jobs suchen müssen; weltweit soll die Zomba-Integration 350 von rund 2000 Mitarbeitern den Job Kosten. Auch Kurt Thielen, der deutsche Zomba-Chef, verlässt das Unternehmen; wie BMG Thielens zehnprozentigen Anteil an Zomba vergüten will, ist nicht bekannt. Der Standort Köln soll bis Ende Mai abgewickelt werden. Was dann mit den dort unter Vertrag stehenden Künstlern passiert, ist derzeit noch ungewiss. Dagegen ist anzunehmen, dass internationale Jive- und Zomba-Themen künftig von München aus betreut werden. BMG hatte 2002 die restlichen Anteile an Zomba für 2,76 Milliarden Euro übernehmen müssen, nachdem Firmengründer und CEO Clive Calder eine vertraglich vorgesehene Put-Option ausgeübt hatte. Mit der Schließung beginnt BMG, den überzogenen Zomba-Milliarden-Deal abzuschreiben; eine schlankere Struktur dürfte auch bei etwaigen Fusionsplänen von Vorteil sein.

Vertriebsarm von Zomba bleibt aktiv

Für den zweiten Standort in Herne gibt es noch keine offiziellen Pläne. Doch die Abteilung Sales & Distribution unter Heino Drecker soll dem Unternehmen erhalten bleiben. Im Gespräch ist eine Ansiedlung bei der arvato-Gruppe. Dabei ginge es vermutlich um einen gesamteuropäischen Independentvertrieb à la Rough Trade, in den auch der britische Pinnacle-Vertrieb, den BMG im Zomba-Paket erworben hat, mit einbezogen wäre. Bislang wollten sich weder Zomba noch BMG offiziell dazu äußern. Vor fünf Wochen bereits kündigte BMG-Vize André Finkenwirth im Exklusiv-Interview mit musikwoche.de eine Lösung der Zomba-Frage für den April an. Er sähe die Möglichkeit, dass Zomba als zentraler deutscher Indie-Vertrieb fungiert. Abzuwickeln wären dann noch die Künstlerverträge deutscher Acts, die direkt beim Label Rough Trade angedockt sind.

Mehr zum Thema

“ (10.04.03)

“ (28.03.03)

“ (06.03.03)