Im Herbst wählten die Mitglieder des Verbands unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) erneut Birte Wiemann zur Vorstandsvorsitzenden. Bei der Verleihung des Plattenladenpreises EMIL_ zog Wiemann jüngst im Gespräch mit MusikWoche eine Bilanz ihrer bisherigen Zeit an der Spitze des Indie-Verbands, sprach über das Spannungsfeld zwischen Konzert und Kanzleramt, über große Themen und kleine Rädchen sowie das Zusammenspiel von „alten Häsinnen“ und Newbies.
MusikWoche: Zwischen Dyse-Auftritt und Abstecher ins Kanzleramt: wo fühlen Sie sich heute am ehesten zuhause?
Birte Wiemann: Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mit Dyse ins Kanzleramt gehen.
MusikWoche: Warum?
Birte Wiemann: Die Band hat gerade eine besondere Kunst- und Musikaktion unter dem Titel „Keine Mauern mehr“ gestartet. Ein Track, um den es dabei geht, heißt „MauR“. Dyse haben dafür 89 Miniatur-Mauer-Stücke von verschiedenen Künstler*innnen gestalten lassen, und als Basis der Mauer dient ein Tape der Band. Diese versteigern sie nun für wohltätige Zwecke, unter anderem auch für Kein Bock auf Nazis. Angesichts dieser politischen Haltung wäre es natürlich gut, mit Dyse ins Kanzleramt zu gehen. Dabei stehen Dyse quasi stellvertretend für die unabhängige Musikwirtschaft. Und das ist dann die andere Seite der Medaille, warum ich schließlich doch im Kanzleramt lande: Denn das passiert ja nicht zufällig, sondern weil ich dort für die Indies in der Musikwirtschaft sprechen darf. Dyse und viele andere Künstler:innen liefern dafür unterm Strich aber die nötige Motivation.
MusikWoche: Also fühlen Sie sich bei Dyse genauso zuhause wie im Kanzleramt?
Birte Wiemann: Im Laufe der Zeit, die ich nun bereits als Vorstandsvorsitzende beim VUT aktiv bin, erschließen sich immer mehr Zusammenhänge, man weiß, welche Menschen auf dem politischen Parkett unterwegs sind und somit wird manches einfacher. Aber wenn ich jetzt wirklich die Wahl hätte, was ich abends machen soll, dann würde ich doch lieber zu Dyse gehen.
„Wir sind als Verband politisch viel sichtbarer, politisch deutlich aktiver und politisch vielleicht auch noch ein bisschen engagierter geworden.“ Birte Wiemann, VUT.
MusikWoche: Sie haben bereits die Zeit beim VUT angesprochen: Seit 2016 engagieren Sie sich dort im Vorstand, seit 2021 als Vorsitzende. Haben Sie in dieser Zeit etwas in Ihrem Sinne bewegen können, so wie Sie sich das vorgestellt hätten?
Birte Wiemann: Ich finde ja. Aber das geht auf den ganzen VUT zurück. Wir sind als Verband – Stichwort Kanzleramt – politisch viel sichtbarer, politisch deutlich aktiver und politisch vielleicht auch noch ein bisschen engagierter geworden. Wir werden heute zu all den drängenden Themen – vom Steuerabzugsverfahren nach Paragraph 50a EstG bis hin zur Streaming – eingeladen und gehört. Das ist im Laufe der vergangenen paar Jahre deutlich mehr geworden.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Birte Wiemann: Nun, es gibt offenbar zumindest den Ansatz, die ganze Branche zu hören. Unser Grundproblem dabei als Kultur- und Kreativwirtschaft insgesamt bleibt aber, dass man nun einmal auf der einen Seite die Kultur hat, und auf der anderen Seite die Wirtschaft. Wir hängen also häufig noch zwischen Wolfram Weimer hier sowie dem Wirtschaftsministerium dort. Dennoch hat sich in diesem Spannungsfeld zumindest schon so ein bisschen was getan, da wir Gehör finden. Wir werden es als VUT aber auch nicht müde zu betonen, dass man die ganze Branche anschauen muss, wenn es um Fragen der Musikwirtschaft geht. Schließlich haben wir es mit einem großen Musikuniversum beziehungsweise einem komplexen Ökosystem zu tun. Wenn man da an einem kleinen Rädchen dreht, hat das Auswirkungen auf ganz viele verschiedene Stellen. Deshalb darf man sich nicht nur ein einzelnes Rädchen angucken. Diese Abhängigkeiten müssen wir bei der Politik noch deutlicher sichtbar machen, auch wenn wir, wie ich finde, mit der Zeit schon ein paar Schritte weitergekommen sind.
MusikWoche: Andere Organisationen leisten sich für die Lobbyarbeit einen hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden, Sie machen das aus Engagement neben einer Vollzeitstelle. Lässt sich das – Cargo Records hier, VUT da – wirklich unter einen Hut bringen, oder grenzt das schon an mittelständische Selbstausbeutung?
Birte Wiemann: Das würde ich jetzt so nicht sagen. Das Gute ist natürlich, dass Michael Schuster als ein Cargo-Geschäftsführer mit seinem Label Subway schon bei der Gründung des VUT dabei war. Das Verständnis dafür, wie wichtig der VUT ist und wie Geschäft und Verbandsaktivitäten zusammengehen, war bei Cargo also schon immer gegeben.
MusikWoche: Zuletzt, so war mein Eindruck, haben andere Mitglieder des Vorstandsteams den einen oder anderen Auftritt wie zum Beispiel beim BKM oder bei der jüngsten k3d-Geschichte übernommen. Ist das Strategie oder eher eine zufällige Momentaufnahme?
Birte Wiemann: Nein, das ist korrekt und das ist auch so beabsichtigt: Im VUT-Vorstand kommen nun einmal zwölf Menschen aus verschiedenen Teilen der Branche zusammen. Da müssen wir uns nicht nur auf eine Person fokussieren, nur weil die gerade die Vorstandsvorsitzende ist. Wenn wir Leute haben, die aus dem Tagesgeschäft zu bestimmten Fragen die richtige Expertise mitbringen, dann ergibt es doch vielmehr Sinn, wenn zum Beispiel unsere Vorstandskollegin Verena Bößmann zum Thema Streaming in den Bundestag geht. Dementsprechend nehmen wir es uns auch für die Zukunft verstärkt vor, dass sich möglichst wirklich alle Vorstandsmitglieder mit ihrer Expertise aus dem Tagesgeschäft einbringen können. Denn davon profitieren natürlich auch der Vorstand und der Verband. Daher finde ich es sehr gut, wenn wir ehrenamtliche Aufgaben verteilen können, und zwar auf viele Schultern von Menschen, die auch wirklich in der Branche aktiv sind.
„Ich sehe es als eine Challenge, uns so zu etablieren, dass wir nun einmal viele sind: Der VUT spricht mit mehreren Stimmen.“ Birte Wiemann, VUT.
MusikWoche: Aber schmälert das nicht vielleicht ein bisschen den Wiedererkennungswert bei den politischen Entscheidungsträger:innen?
Birte Wiemann: Ich finde nicht. Vielmehr sehe ich es quasi als eine Challenge, uns so zu etablieren, dass wir nun einmal viele sind: Der VUT spricht mit mehreren Stimmen.
MusikWoche: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Vorstand und mit dem VUT-Team in der Berliner Geschäftsstelle?
Birte Wiemann: Es wäre manchmal leichter, wenn der ganze Vorstand in Berlin wäre. Aber dennoch läuft die Zusammenarbeit gut, wir tauschen uns ständig aus. Oke Göttlich hat in seiner damaligen Zeit als Vorstandsvorsitzender beim VUT viele Tätigkeiten in Ausschüssen organisiert, und das ist auch gut so.
MusikWoche: Warum?
Birte Wiemann: Nun, früher hat sich der ganze Vorstand immer mit allem befasst. Heute aber haben wir die Ausschüsse, die wirklich fokussiert einzelne Themen angehen können. Auch der Austausch untereinander ist stets gut, weil wir eine organisierte Geschäftsstelle haben, wo jeder für bestimmte Ausschüsse zuständig ist und wir dadurch zum Beispiel bestimmte Überschneidungen zwischen den Gremien kommunizieren können. Auch die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle funktioniert sehr gut.
MusikWoche: Wie Sie gerade von Ausschüssen sprachen: Kommt jetzt ein Handelsausschuss mit dazu, wo doch die EMIL_-Verleihung und das Format EMIL_vernetzt den Handel nun schon so eingebunden haben, dass dort künftig auch potenzielle Mitglieder des VUT zu finden sein könnten?
Birte Wiemann: Es wäre wünschenswert, dieses Zusammenfinden fortzuführen. Ob das direkt in einem Ausschuss mündet, dazu müssen wir uns aber wahrscheinlich erst orientieren. EMIL_vernetzt als Digitalformat soll aber auf alle Fälle weiterlaufen. Denn das es dafür einen Bedarf gibt und dass auch die Plattenhändler:innen eine Lobby benötigen, das hätten wir spätestens aus dem Abend der EMIL_-Verleihung lernen können, wenn wir es aus dem Tagesgeschäft nicht eh bereits wüssten. Denn klar ist: Wir sind dieses ganze Ökosystem, wir sind dieses ganze Musikuniversum – und natürlich gehören auch Plattenläden mit dazu. Aber selbstverständlich müssen uns die Plattenläden hier auch aktiv das Mandat geben – idealerweise als Mitglieder des VUT.

MusikWoche: Hier Berlin und die heimischen Regionalverbände, dort die internationalen Aktivitäten wie bei Impala oder WIN: Droht da nicht vielleicht die Gefahr, dass sich der VUT auf den verschiedenen Ebenen verzetteln könnte?
Birte Wiemann: Nein, das finde ich nicht. Denn Impala und WIN nehmen ganz gezielt jeweils die europäischen beziehungsweise weltweiten Indie-Themen auf sich. Als Mitglied kann der VUT dazu Input geben und so mitgestalten. Daher haben wir hier ein schönes Miteinander: Der VUT muss sich nicht um EU-Themen bemühen, weil wir uns darauf verlassen können, dass sich das Impala-Team schon darum kümmert. Dementsprechend besteht überhaupt keine Gefahr, dass wir uns irgendwie verlieren. Auf nationaler Ebene arbeiten die Regionalgruppen und der Bundes-VUT ebenfalls sensationell zusammen, wobei dann quasi an der Basis die Menschen und damit auch die Mitglieder zusammenkommen, über die wir zum Beispiel wieder weitere Mitglieder gewinnen können.
MusikWoche: Haben Sie das Gefühl, dass Sie nationale Themen bei den internationalen Organisationen auch ordnungsgemäß platziert und transportiert bekommen?
Birte Wiemann: Wir können unsere Anliegen sehr gut platzieren. Am Beispiel der Entwicklung in Sachen Impala, Universal Music, Downtown können wir natürlich froh sein, dass alle europäischen Indies an einem Strang ziehen. Da bin ich sehr, sehr dankbar, dass das funktioniert.
MusikWoche: Lassen wir diesen Elefanten mal beiseite: Was für weitere Themen haben Sie sich für die neue Amtszeit vorgenommen?
Birte Wiemann: Ein dickes Brett wie das Thema KI schwebt für die nächsten Jahre über unserer ganzen Branche – und da besorgt es mich schon sehr, wenn laut einer kürzlichen Umfrage 97 Prozent aller Menschen nicht erkennen können, ob sie es mit einem KI-Track zu tun haben. Das geht aber nicht nur spezifisch den VUT an. Wir nehmen uns daher auch viele kleinere Dinge vor.
MusikWoche: Zum Beispiel?
Birte Wiemann: Zum Beispiel, wenn es darum geht jüngere Labels, Verlage und Musiker:innen mit abzuholen und somit auch in der jungen Generation klarzumachen, dass es den VUT gibt und welche Bedeutung Verbandsarbeit für das Tagesgeschäft haben kann. So haben wir uns bei der Mitgliederversammlung in Hamburg für die Möglichkeit einer Studierenden-Mitgliedschaft im VUT als Schnupper-Mitgliedschaft entschieden. Alle Pop-Akademiker:innen, alle Paderborner Studierenden oder alle BIMM-Studierenden können nun einfach mal bei uns reinschauen und eine Idee davon entwickeln, was der VUT überhaupt macht, wofür er steht und warum das auch für jeden von ihnen wichtig ist, wenn sie in der Musikbranche bleiben möchten. Ich erlebe es bei vielen jungen Menschen wie zum Beispiel den Praktikant:innen bei Cargo, dass die – Stichwort Spotify oder Universal Music – eine politische Wahrnehmung haben und sich mit solchen Fragen beschäftigen. Dann ergibt es natürlich Sinn, denen mitzugeben, dass der VUT auch ein Verband ist, den sie im Auge behalten sollten. Darüber hinaus treten Themen wie das Steuerabzugsverfahren bei vielen Menschen im Tagesgeschäft schnell in den Hintergrund. Als Verband aber haben wir einen Ansatz gefunden, darüber nun auch mit dem Bundeszentralamt für Steuern oder mit dem Bundesministerium für Finanzen einen Dialog führen zu können. Denn tatsächlich bedeutet es für einige unserer Mitglieder wirklich herbe Einbußen, wenn es zwölf Monate oder mehr dauert, bis so ein Freistellungsauftrag bearbeitet werden kann. Das sind Sachen, die im Vergleich zu großen Visionen zunächst einmal klein aussehen, die aber im Tagesgeschäft bares Geld bedeuten und entsprechend wichtig sind.
MusikWoche: Eine der ersten VUT-Errungenschaften war einst der GEMA-Gesamtvertrag. Da gab es zum letzten Jahreswechsel eine Kündigung, lange Verhandlungen und irgendwann auch einen Abschluss, der aber nie groß verkündet wurde. Sind Sie zufrieden mit der Lösung?
Birte Wiemann: Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass es nicht leicht war. Wir haben uns aber geeinigt, es gibt einen Vertrag und unsere Mitglieder können sich darauf verlassen, dass die Vorteile auch erhalten geblieben sind. Jetzt gerade ist es noch das Technische, was ein bisschen im Weg steht. Wir müssen wirklich gucken, wie die GEMA es nun schnell hinbekommt, dass unsere Mitglieder auch wirklich ihre Projekte anmelden und durchkriegen können. Denn am Ende geht es schließlich auch bei der GEMA darum, dass die Urheber:innen so schnell wie möglich ihre Vergütungen erhalten.
MusikWoche: Unverzichtbares Asset oder schmückendes Beiwerk: Was tragen Indie Days, VIA Awards und MEWEM Ihrer Ansicht nach zur Außenwirkung des Verbands bei?
Birte Wiemann: Sie sind doch meist mit dabei, wie nehmen Sie das so wahr? Als Verband wollen wir mit solchen Dingen wie zuletzt auch mit dem EMIL_ in Erscheinung treten, weil man hier einfach sehen kann, dass etwas passiert, was an Haltung und Idee dahintersteht und dass es um die Indies geht. Deshalb ist es zum Beispiel gerade beim VIA wichtig und gut, dass wir dort Indie-Künstler:innen angemessen ehren können. Was MEWEM angeht, machen wir hier als VUT Basisarbeit für eine neue Generationen von Menschen, die in die Musikwirtschaft wollen, indem wir Mentor:innen mit Mentees zusammenbringen, die vielleicht gerade erst die ersten Schritte in der Musikwirtschaft gemacht haben. Ich glaube, dass solche Programme ausschließlich positiv sind.
MusikWoche: Wirkt sich das konkret auf die Verbandsarbeit aus?
Birte Wiemann: Ja, wir haben uns dazu gerade personell neu aufgestellt: Mit Pauline Weh haben wir eine neue Mitgliederreferentin, während sich Beate Dietrich künftig als Programmleiterin komplett auf MEWEM fokussieren kann.

MusikWoche: Apropos Mitglieder: Drohte dem VUT angesichts zahlreicher „alter Hasen“ in der Indie-Szene in näherer Zukunft nicht vielleicht ein Generationenproblem, oder rückt der Nachwuchs auch in der Verbandsarbeit nach?
Birte Wiemann: Dazu müssen Sie ja eigentlich nur den Vorstand angucken: Da haben wir die junge Label-Gründerin Henrietta Bauer ebenso dabei wie den seit wohl 30 Jahren im Verband aktiven Thomas Zimmermann. Genau diese Mischung macht es aus, sowohl im Vorstand als auch im VUT, aber auch in der Branche insgesamt: Da findet man die Newbies, die mit neuen und frischen Ideen motiviert hereinkommen, aber ebenso die „alten Häsinnen und Hasen“, die auch mal daran erinnern können, wie man vergleichbare Probleme damals geregelt hat. Ich bin also zuversichtlich, dass wir die junge Generation abholen können und nicht in der Alles-von-gestern- Schublade landen.
MusikWoche: Drehen wir Frage bitte einmal auf die unternehmerische Seite: Droht nicht vielleicht die Gefahr, dass mit Label-Macher:innen, die vor 1980 angefangen haben und nun auf ein gewisses Alter zusteuern, Kataloge verloren gehen, weil zum Beispiel Nachfolgeregelungen offen sind? Kann der VUT da irgendwie assistieren?
Birte Wiemann: Genau das überlegen wir im Vorstand auch schon länger: Wir haben einige Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind. Aber natürlich sollte sichergestellt werden, dass solche Kataloge nicht verloren gehen und am Leben erhalten werden, weil sie auch historisch und in Hinblick auf die Entwicklung von Labels oder Künstler:innen bedeutend sind.
„Angesichts der ganz großen Herausforderungen finde ich es politisch bedeutsam, dass wir die Vielfalt und Diversität all der Teilbereiche, die in dieser Branche zusammenarbeiten, innerhalb unseres Verbands darstellen können.“ Birte Wiemann, VUT.
MusikWoche: Bei der Gründung des Verbands im Jahr 1993 ging es den zunächst elf Aktivisten vor allem um bessere Wettbewerbsbedingungen im Musikmarkt. Heute deckt der VUT vom international aktiven Indie bis zum DIY-Act eine große Vielfakt an musikwirtschaftlichen Aktivitäten ab. Lassen sich die Interessen von knapp 1300 Mitgliedern angesichts der Herausforderungen im Musikbiz eigentlich noch sinnvoll unter einen Hut bringen?
Birte Wiemann: Ja, denn angesichts der ganz großen Herausforderungen, die uns alle betreffen – Stichwort KI und so weiter – finde ich es politisch bedeutsam, dass wir die Vielfalt und Diversität all der Teilbereiche, die in dieser Branche zusammenarbeiten, innerhalb unseres Verbands darstellen können: Wir ziehen wirklich alle an einem Strang. Ich glaube, es ist entscheidend, dass dieser Verband dafür steht, das alles unter einem Dach zu haben, und nicht entweder nur Verlage, nur Labels oder nur Künstler:innen.
MusikWoche: Bestimmt das Motto Act United, Stay Independent also auch weiterhin im Grundsatz das Handeln des Verbands?
Birte Wiemann: Ja, ganz klar. So paradox es klingt, so wissen wir alle doch, dass Independent eben auch heißt, im Konglomerat beziehungsweise im Netzwerk zu agieren. Insofern reicht eigentlich auch Stay Independent, wie es auch aktuell auf unseren Buttons steht. Aber wenn es ganz komplett sein soll, dann muss es natürlich noch einmal deutlich ausgesprochen werden: Act United, Stay Independent. Das passt immer noch wie die Faust aufs Auge, finde ich.
Zur Person – Seit 2005 arbeitet Birte Wiemann bei Cargo Records in Wuppertal und hat dort als Labelmanagerin Labels wie Trustkill, Revelation und Equal Vision betreut. Sie trug zudem dazu bei, den Record Store Day seit 2010 auch in Deutschland zu etablieren und realisierte als Projektmanagerin ein B2B-Backend. Derzeit ist sie für den Bereich D2C/Fulfillment und die dazugehörigen Systeme und Schnittstellen zuständig. Neben der Arbeit bei Cargo Records promovierte Birte Wiemann 2013 in englischer Literatur an der University of Hull in Großbritannien. Sie ist seit 2016 Mitglied des VUT-Vorstandes und seit 2021 Vorstandsvorsitzende. Seit 2022 ist sie außerdem Mitglied im Aufsichtsrat der Initiative Musik. Unter den Themen, die den VUT umtreiben, liegen Birte Wiemann besonders ein besonnenes Fortkommen in der Streamingdebatte, der Umgang mit KI in der Branche und das MEWEM-Mentoringprogramm für den weiblichen, trans und non-binären Nachwuchs in der Musikwirtschaft am Herzen. Vor die Wahl gestellt, würde sie im Zweifel immer das haptische Format wählen.




