Inzwischen behauptet das kleine, ambitionierte Team um Labelboss Peter Gabriel und A&R- und Label-Managerin Amanda Jones seine Stellung auch außerhalb der reinen Weltmusik. Mit den Veröffentlichungen der letzten Monate scheint sich dies anzudeuten. Amanda Jones betont im Gespräch mit musikwoche.de: „Unsere Maxime war es immer, Musik zu veröffentlichen, die für uns interessant klingt, unabhängig vom Genre.“ Dies bestätigen aktuelle Alben von Künstlern wie Joseph Arthur („Redemption’s Son„), Pina, Misty In Roots und demnächst Adrian Sherwood, die nicht ins Weltmusik-Klischee passen. „Wir gehen dabei sehr behutsam vor“, sagt Amanda Jones. „Oft müssen wir die Künstler ermahnen, nicht ihre ethnischen Wurzeln zugunsten eines westlichen Sounds ganz zu verwischen. Andererseits haben wir natürlich auch schon versucht, diverse Alben so kommerziell wie möglich zu gestalten.“ Wobei „kommerziell“ ein relativer Begriff sei: „Ich bin sicher, dass unsere Freunde vom Marketing bei Virgin in Gelächter ausbrächen, wenn sie uns von Kommerzialisierung reden hörten.“
Wenn Weltmusik und Real World ein Nischenthema sei, dann liege das sicher nicht an der Presse: „Wir erfahren seit dem Start unseres Labels fantastische Presse-Unterstützung. Das Problem der Weltmusik liegt jedoch im fehlenden Airplay. Es gibt zwar Ausnahmen, wie unsere neue Künstlerin Pina, die momentan in Frankreich über Fnac und fantastisches Airplay promotet wird, aber solche Ausnahmen sind selten.“ Weil Real World in A&R-Fragen eigenständig arbeitet, hat das Label einen Produktions-Deal mit Virgin. Dabei gibt es eine klare Arbeitsteilung hinsichtlich des Repertoires: „Wir finanzieren uns selbst, was die Kosten für Studiozeiten einschließt. Wir sind für die Künstlerverträge zuständig, das Packaging unserer Produkte und den Tour-Support. Marketing und internationale Promo wird von den jeweiligen Virgin-Niederlassungen geleistet. Andererseits werden uns interessante Künstler aus dem Domestic-Repertoire unserer internationalen Virgin-Partner angeboten.“
Die Entscheidung, mit welchen Künstlern man arbeitet, macht sich Real World nicht leicht. Amanda Jones trifft in A&R-Fragen die Vorauswahl und setzt sich dann mit dem Team, vor allem aber mit Peter Gabriel, für definitive Entscheidungen zusammen. „Diese A&R-Meetings dauern oft mehrere Tage. Weil wir Langzeitverträge mit einigen Künstlern haben, fällt die Entscheidung für oder gegen Veröffentlichungen neuer Künstler oft sehr schwer.“ Deshalb veröffentlicht Real World maximal nur zehn Alben pro Jahr. „Unser In-House-Team ist so überschaubar, dass eine Erhöhung unseres Outputs den Rahmen sprengen würde“, meint Amanda Jones. Dennoch arbeitet die Firma mit Profit. Die Label-Managerin erklärt: „Wir sind nach über 13 Jahren noch aktiv, was viele Branchenkenner überraschen mag. Wenn eines unserer Alben weltweit 20.000 Exemplare verkauft, erreichen wir die Gewinnzone. Das letzte Album von Afro Celt Sound System verkaufte bislang 350.000 Einheiten, war allerdings bei den Produktionskosten und dem Marketingbudget sehr teuer.“
Auch die bei Real World erschienenen Alben des verstorbenen Qawwali-Sängers Nusrat Fateh Ali Khan haben inzwischen Auflagen erreicht, die in die Hunderttausende gehen. Trotzdem bleibt Amanda Jones, die Wert darauf legt, im Hintergrund zu arbeiten, bescheiden: „Wir alle fahren keinen dicken Mercedes. Aber wer weiß, wie das in fünf Jahren aussehen wird?“
„






