Die Verkaufspläne für die Musiksparte von Bertelsmann scheinen weiter gediehen, als die Gütersloher zugeben wollen. Angeblich sind bereits Investmentbanker damit beauftragt worden, die Abspaltung von BMG Music Publishing und den Verkauf des 50-prozentigen Anteils des Konzerns an Sony BMG Music Entertainment vorzubereiten.
Die „Financial Times“ beruft sich auf Informationen von vier verschiedenen Bertelsmann-Insidern, die von Vorbereitungen zum Verkauf der Musikaktivitäten berichten. Entsprechende Spekulationen gibt es bereits seit einiger Zeit, am Rande der Bertelsmann-Jahresbilanz in der vergangenen Woche wurden diese erneut laut. Vorstandschef Gunter Thielen wiegelte die Gerüchte jedoch ab und verwies darauf, dass man vor einer Entscheidung über das weitere Vorgehen abwarten werde, was Finanzinvestor GBL mit seinen 25,1 Prozent Anteilen an der Bertelsmann AG vorhat.
Hintergrund der Verkaufsabsicht ist der nicht öffentlich geäußerte Wunsch der Bertelsmann-Führungsspitze, einen Börsengang des Unternehmens zu verhindern. Der Verkauf des Musikgeschäfts soll die nötigen Mittel für einen Rückkauf der GBL-Anteile einbringen. Laut „FT“ könnte der Verkauf rund zwei Mrd. Euro erlösen, unklar sei indes, wer als Käufer in Frage käme.
Für den BMG-Musikverlag wäre wohl Universal Music Publishing der naheliegendste Interessent. Universals Mutterkonzern Vivendi hatte zuletzt wiederholt verkündet, das Musikverlagsgeschäft durch Zukäufe vergrößern zu wollen. Zusammen mit BMG wäre UMP im Handumdrehen Weltmarktführer mit rund 25 Prozent Marktanteil vor EMI Music Publishing mit rund 20 Prozent. Aber auch eine Reihe von privaten Beteiligungsfirmen könnte Interesse an BMG Publishing anmelden.
Weniger problemlos dürfte sich nach Ansicht von Beobachtern der Verkauf des Sony-BMG-Anteils gestalten: Eine Übernahme durch Sony gilt als fraglich, solange die Japaner ihr strauchelndes Hardwaregeschäft nicht saniert haben. Demnach müsste Bertelsmann Sony davon überzeugen, den Major als Ganzes auf den Markt zu werfen. Offiziell ist dazu aus Gütersloh indes nichts zu vernehmen. Erst letzte Woche noch sagte Gunter Thielen der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich kann mir das alles gar nicht vorstellen.“






