Recorded & Publishing

Bertelsmann erteilt Universal den Zuschlag für BMG

Mit der Übernahme von BMG Music Publishing wird die weltgrößte Tonträgerfirma Universal Music Group künftig auch zum größten Musikverlag. 1,63 Mrd. Euro zahlt Vivendi für seine Publishing-Expansion an Bertelsmann – wenn Brüssel den Deal genehmigt.

Mit der Übernahme von BMG Music Publishing wird die weltgrößte Tonträgerfirma Universal Music Group künftig auch zum größten Musikverlag. 1,63 Mrd. Euro zahlt die Universal-Mutterfirma Vivendi für seine Publishing-Expansion an Bertelsmann. Sollte die EU-Kommission sich nicht gegen den Zusammenschluss von Universal Music Publishing (UMP) und BMG Music Publishing sperren, dann wird demnächst der drittgrößte Musikverlag mit dem viertgrößten fusionieren. Nach jüngsten Schätzungen hat UMP rund zwölf Prozent Anteil am weltweiten Publishing-Geschäft. Zusammen mit den 13 Prozent Marktanteil und den Urheberrechten zu mehr als einer Mio. Songs von BMG würde somit der größte Musikverlag der Branche entstehen. Der derzeitige Marktführer EMI Music Publishing kommt nach aktuellen Berechnungen der Marktforscher von Informa auf 17 Prozent des Kuchens. Vivendi und Universal setzten sich beim Wettbieten um BMG gegen eine Schar von Konkurrenten durch, zuletzt waren nach übereinstimmenden Medienberichten noch Warner Music, Viacom/Apollo und GTCR Golder Rauner/Charles Koppelman in der engeren Auswahl. Ursprünglich hatten mehr als ein Dutzend Interessenten Kaufofferten in Gütersloh hinterlegt.

Nach Vollzug der Verlagsfusion rechnen Beobachter mit dem Abbau von redundanten Strukturen und Arbeitsplätzen bei UMP und BMG. Doch bevor es dazu kommt, müssen erst noch die europäischen Kartellwächter ihren Segen zum Merger geben. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, den BMG-Verkauf prüfen zu wollen. Entscheidend dürfte dabei unter anderem sein, wie sehr sich konzernunabhängige Verlage von der Fusion beeinträchtigt fühlen. Während Universal Music im Tonträgergeschäft weltweit rund 25,6 Prozent Marktanteil hat, kommen die Independents auf gemeinsame 29 Prozent. Im Verlagsbereich liegt der Anteil der Unabhängigen mit geschätzten 35 Prozent wesentlich höher. Die rund 25 Prozent von UMP/BMG fielen im Vergleich also nicht so stark ins Gewicht. Bertelsmann hatte zuletzt angekündigt, dass man beim Verkauf von BMG das kartellrechtliche Risiko dem Käufer überlassen will. Ein EU-Gericht hatte Mitte Juli die Genehmigung der Kommission für das Joint Venture Sony BMG für nicht rechtens erklärt, was den deutschen Medienkonzern und Sony derzeit zur erneuten Beantragung ihres Musikmergers zwingt. Unklar ist noch, ob die 1,63 Mrd. Euro schon vor der Genehmigung aus Brüssel auf die Gütersloher Konten fließen. Bertelsmann benötigt das Geld, um Kredite für den Rückkauf von Unternehmensanteilen abzubezahlen.

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