Während bei der EMI Group Alain Levy, der Leiter der Tonträgersparte, den schleichenden Abschied vom Merger mit seinen Aussagen zur Stärke des Unternehmens einläutete, überlässt die Warner Music Group (WMG) ihren möglicherweise bevorstehenden Rückzug von den Fusionsplänen offenbar den Medien.
Der US-Major sei vermutlich ohne EMI viel besser dran, urteilt „Business 2.0“ – ein Magazin des Time Warner Konzerns. Die WMG könne in den nächsten Jahren wahrscheinlich ohne Zusammenschluss viel größere Fortschritte machen. Grund: Warner sei seinen Mitbewerbern bei der Umstellung des Geschäftsmodells auf digitale Vertriebskonzepte und trägerlose Produktkonfigurationen weit voraus. Beim Downloadverkauf verlasse sich der Major nicht nur auf das Geschäft mit Einzeltracks, sondern sei auch mit margenstärkeren digitalen Produktbündeln zunehmend erfolgreich. Außerdem habe Warner sehr früh das Potenzial des Mobilgeschäfts erkannt und liefere seine Inhalte inzwischen an 1,4 Mrd. Handynutzer weltweit.
Als Beleg führt das Magazin Zahlen aus der letzten WMG-Quartalsbilanz an: Im Bereich Recorded Music macht das Unternehmen bereits 13 Prozent aller Umsätze mit dem digitalen Geschäft. Das sei die höchste Quote im branchenweiten Vergleich. Diesen strategischen Vorteil werde die Plattenfirma, die sich selbst als „Music Content Company“ bezeichnet, bei einem Alleingang besser ausspielen können. Dabei zitiert „Business 2.0“ aus einem internen Memo, das WMG-Chef Edgar Bronfman jr. an seine rund 4000 Mitarbeiter verschickt hatte: „Wir haben es immer wieder betont: Wir können unsere Wachstumsstrategie auch alleine umsetzen.“
Aus eigener Kraft erholte sich zumindest der Börsenkurs der WMG wieder ein wenig. Nach dem Urteil eines EU-Gerichts vom 13. Juli, das die Annullierung der Genehmigung für das Joint Venture Sony BMG zur Folge hatte und auch die geplante Fusion von Warner und EMI gefährden kann, erodierte der Wert der Aktie innerhalb von wenigen Stunden um fast 18 Prozent. Am 17. Juli schloss das Papier bei 24,98 Dollar, nachdem es im Tagesverlauf auf Kursen bis zu 26 Dollar gehandelt wurde.





