Recorded & Publishing

BARD will CD-Beilagen durch Verkaufsboykotte stoppen

Der Zwist um CD-Beilagen in britischen Magazinen und Zeitungen nimmt kein Ende. Nun drohen die Fachhändler den Plattenfirmen: Wenn die Labels weiterhin Titel für die Kostenlos-CDs freigeben, werden die Händler das Repertoire dieser Acts aus dem Bestand nehmen.

Der Zwist um CD-Beilagen in britischen Magazinen und Zeitungen nimmt kein Ende. Nun drohen die Fachhändler den Plattenfirmen: Wenn die Labels weiterhin Titel für die Kostenlos-CDs freigeben, werden die Händler das Repertoire der betreffenden Acts aus dem Bestand nehmen. Laut der British Association of Record Dealers (BARD) wurden am letzten Septemberwochenende über zehn Mio. CDs mit einem regulären Marktwert von mehr als 100 Mio. Pfund (145 Mio. Euro) als Covermounts zusammen mit Printobjekten verkauft. Das seien viermal so viele CDs wie der britische Tonträgerhandel in der gesamten Verkaufswoche davor absetzen konnte.

Die Händler sehen die großzügige Haltung der Plattenfirmen als existenzgefährdend an. Mehr Ware zu verschenken als zu verkaufen, könne gemeinhin als wirtschaftlicher Selbstmord bezeichnet werden, sagte BARD-Chairman Steve Knott. Zusammen mit dem Music Managers Forum will er dem Wertverfall des Kulturguts Musik entgegentreten. Zudem hätten Händler in Zeiten von Internetpiraterie und CD-Brennerei bereits genügend Sorgen.

Schon im Jahr 2001 wurden im Königreich 23 Mio. CDs als Heftbeilagen unters Volk gebracht – damals rund zehn Prozent des Gesamtmarktes. Neuere Analysen liegen nicht vor, doch Beobachter sind überzeugt, dass diese Zahl deutlich gestiegen ist. Wenn die Industrie bei ihrer Freigabepraxis bleibe, so Knott, dann werde das langfristig gravierende Einbußen für die gesamte Musikwirtschaft haben, da sich bei Konsumenten die „Geiz ist geil“-Mentalität dauerhaft festsetze. Deshalb hat BARD inzwischen damit begonnen, die Covermount-CDs genau zu untersuchen und zu dokumentieren, welche Titel darauf zum Einsatz kommen. Der Verband meldet seinen Mitgliedern künftig, welche Interpreten sie bei ihren Bestellungen meiden können. Indes sehen die Verlage kaum einen Grund zum Handeln: Die Auflagen und Umsätze steigen bei attraktiven CD-Beilagen zwischen zehn und 20 Prozent.

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