Die chinesische Suchmaschine Baidu ist von einem Gericht in Peking verurteilt worden, keine Treffer zu illegalen Musikangeboten im Netz mehr anzuzeigen. Die Firma Shanghai Busheng Music Culture Media Company, eine Joint-Venture-Tochter von EMI Music, hatte den in den USA börsennotierten Suchdienst verklagt, weil er Links zu Websites bot, wo 53 Titel des Labels illegal zum Download angeboten wurden. Der Haidian Volksgerichtshof belegte Baidu nun mit einer Strafe von 68.000 Reminbi Yuan (rund 6930 Euro).
Baidu-Anwalt Decheng Li bezeichnete das Urteil als „Missverständnis“ und kündigte umgehend Revision an. „Baidu bietet Suchdienste und keine Downloadangebote. Wir glauben, dass das Gericht das Konzept der Suchmaschinentechnologien nicht richtig verstanden hat. Deshalb werden wir das Urteil anfechten.“ Ungeachtet dessen bereitet sich Baidu gleichzeitig noch auf einen ähnlichen Prozess gegen die vier Majors vor. Sony BMG, EMI, Universal und Warner Music hatten die Suchmaschine über ihre lokalen Niederlassungen aus dem gleichen Grund verklagt wie Shanghai Busheng.
Internationale Beobachter rechnen jedoch damit, dass die Industrie vor der keineswegs unabhängigen Justiz der Volksrepublik Recht bekommen könnte, da der politische Druck, den die USA und die EU wegen der anhaltend hohen Pirateriequote auf China ausüben, langsam seine Wirkung entfaltet. Erst vor einer Woche hatte Chinas Präsident Hu Jintao US-President George W. Bush zugesichert, dass sein Land gewillt sei, die Urheberrechtsverletzungen zu unterbinden.






