Es ist das Ende der Musikhandelswelt, wie man sie seit 46 Jahren kennt. Tower Records, einer der letzten großen Facheinzelhändler der USA, wird aufgelöst. Nach einer fast 30-stündigen Auktion hatten all jene Bieter das Nachsehen, die das Traditionshaus erhalten wollten. Den Zuschlag erhielt die auf Liquidationen spezialisierte Great American Group für 134,3 Millionen Dollar.
Die Fachhandelskette Trans World Entertainment (TWE), die von vielen in der Branche als unter den gegebenen Umständen optimaler Käufer betrachtet wurde, konnte oder wollte nur 500.000 Dollar weniger auf den Tisch legen. Damit ist das Ende der 89 Tower-Filialen in 20 US-Bundesstaaten besiegelt. Im Laufe des 6. Oktober hatten US-Medien noch vereinzelt berichtet, TWE sei als Höchstbietender aus der Versteigerung hervorgegangen, doch da war wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens.
Great American begann bereits am Wochenende mit den Räumungsverkäufen und wird zusammen mit allen Nebenkosten rund 150 Millionen Dollar für die Reste von Tower bezahlen. Die Schulden des Unternehmens beliefen sich zuletzt auf rund 210 Millionen Dollar. Unklar blieb vorerst noch, ob Great American tatsächlich alle Assets von Tower ersteigert hat. Angeblich soll eine Filiale und der Onlinestore an einen anderen Bieter gegangen sein.
Neben TWE galt auch noch Radius Equity Partners als möglicher Rettungsanker für Tower. Die Chicagoer Investmentfirma hatte bereits einen Sanierungsplan für den seit August insolventen Händler ausgearbeitet, musste jedoch unmittelbar vor Beginn der Auktion passen, weil die nötigen Gelder nicht rechtzeitig aufgebracht werden konnten. Tower-Gründer Russ Solomon, am Ende noch mit 15 Prozent an der Kette beteiligt, hatte sich schon einige Tage davor entschlossen, nicht ins Geschehen einzugreifen.





