Recorded & Publishing

apropos: Ruf! Mich! An!

Die Musikbranche braucht mehr 0190er-Nummern. Nein, nicht was Sie jetzt denken. Aber es geht ums Bezahlen. Beziehungsweise um die Frage: Wie kommen die Rechteinhaber zu einer angemessenen Vergütung?

Wie mittlerweile jeder weiß, liegt in dieser Hinsicht wegen Internet und digitaler Kopiererei vieles im Argen. Und es zeichnet sich ein grundlegender Widerspruch ab: Während die Nutzung von Musik ständig steigt, gehen die Erträge aus dieser Nutzung kontinuierlich zurück; die Umsätze der Tonträgerbranche sinken weltweit, wie die IFPI-Zahlen für 2001 belegen. Viele fragen sich, was sich gegen solch unheilvolle Entwicklung tun lässt. Bezahlangebote im Netz wie pressplay oder MusicNet, die sich auf Abogebühren stützen, stoßen bei den Usern nicht gerade auf euphorische Zustimmung.

Im öffentlichen Bewusstsein hat sich, so scheint’s, die fixe Idee festgesetzt, dass Musik in allen Lebenslagen immer dazu gehört, dass sie kopierbar sein muss, dass sie aber nichts kosten darf. Andererseits wird ohne Reue Geld ausgegeben, wenn es um Telekommunikation geht – man zahlt brav die Gebühren fürs Handy und simst sich munter einen ab, man ist gern drin wie Boris B. und löhnt dafür Monats- und Verbindungsgebühren. Und wer sich öfter Datenpakete mit Musik oder gar Filmen aus dem Netz napstert, macht sich anscheinend keine Gedanken über die Gebührenrechnung seines Providers. Nur wenn zu den „Basiskosten“ noch ein bezahltes Musikabo hinzukommen soll, ist anscheinend die Schmerzgrenze erreicht.

Was folgt daraus? Vielleicht dies: Es ist schwer, für digitale Datenpakete einen Verrechnungsmodus einzuführen, der akzeptiert wird und zugleich gegen Missbrauch feit – auch wenn er allemal erstrebenswert ist. Aber es scheint leichter, die Bezahlung über den Provider abzuwickeln. Warum also sollte es nicht spezielle Telefontarife geben, die den Bezug von Musikdatenpaketen mit umfassen? Den Erlös teilen sich die Lieferanten der Inhalte und die Telekom. Es muss ja nicht immer eine 0190 vor der Rufnummer stehen.

Manfred Gillig-Degrave [mailto:[email protected]@@@[email protected]] Chefredakteur