Das Max-Planck-Institut für geistiges Eigentum wurde 2011 umstrukturiert. Seitdem nennt sich die eine von zwei Abteilungen Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht. Name follows function. Sprache kann verräterisch sein.
„Wir konnten schon vor über zehn Jahren beobachten, dass die Musikindustrie gestützt auf ihre Urheberrechte überholte Geschäftsmodelle verteidigte und jene, die das aufkommende Internet für die Verbreitung von Musik nutzen wollten, mit Klagen überzog.“ Was will uns dieser Satz sagen?
„Die Urheberrechte liegen in aller Regel ja nicht in den Händen der kreativen Menschen selbst, sondern sie werden Verlagen und Produzenten abgetreten.“ Ach ja, wirklich?
„In den Händen der Industrien aber kann das Urheberrecht gefährliche Wirkungen entfalten. Denn im Grunde verhilft es eben zu einer Monopolstellung, und Monopole lassen sich immer auch missbrauchen. Sie helfen insbesondere, Wettbewerb zu verhindern.“ Sind hier etwa Monopole wie Google oder Amazon gemeint?
Ach was: „Es hapert in der politischen Debatte daran, dass jene, die Eigentumsrechte proklamieren, sehr gut organisiert sind und den zum Kampfbegriff gewordenen Ausdruck,geistiges Eigentum‘ gezielt einsetzen, um Meinungsträgern einen möglichst starken Schutz abzuringen. Ihre Lobbys sitzen in allen relevanten Regierungen und Parlamenten dieser Welt.“
Ach so, es handelt sich um eine weltweite Verschwörung der Urheberlobby!
„Unabhängige Internetanbieter“ – YouTube etwa? – „müssten mit vertretbarem Aufwand durchsetzen können, dass ihnen die gewünschten Inhalte zu vernünftigen Konditionen lizenziert werden. Damit entsteht Wettbewerb unter legalen Anbietern, und die Preise werden auf ein vernünftiges Maß sinken.“
So weit Reto Hilty, Direktor des Max-Planck-Instituts für geistiges Eigentum, pardon: für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht, in einem „FAZ“-Interview vom 9. Juni. Es heißt, Google unterstütze die Arbeit des Max-Planck-Instituts. Dazu sagt Hilty nichts.
Apropos „Wettbewerb unter legalen Anbietern“: An die 70 Internetplattformen bieten in Deutschland Musik an, immer wieder kommen neue hinzu. Einige haben auch schon wieder aufgegeben. Ob das am legalen Wettbewerb liegt? Oder vielleicht doch eher an illegalen Kostenlosangeboten, die ja leider auch zur Wettbewerbslandschaft gehören?
Manfred Gillig-Degrave Chefredakteur MusikWoche [email protected]






