Immer mal wieder fordert jemand, das geltende Urheberrecht müsse sich neuen Geschäftsmodellen der digitalen Welt anpassen. Doch grundsätzlich gilt: Auch der kühnste Visionär sollte die real existierenden rechtlichen Rahmenbedingungen nicht ignorieren.
Natürlich sind Recht und Gesetz keine starren Konstrukte für alle Ewigkeit, sondern entwickeln sich aus praktischer Handhabung und Diskurs zwischen divergierenden Interessen weiter. Konfliktträchtig wird es jedoch, wenn unterschiedliche Zeitschienen aufeinander treffen: In der digitalen Welt laufen die Prozesse halt viel schneller ab als, zum Beispiel, ein Gesetzgebungs- oder auch ein -änderungsverfahren.
Auch Anpassungen der GEMA-Geschäftsordnung brauchen Zeit für Abstimmung und Umsetzung, und das ist gut so, selbst wenn es dadurch in der schlecht informierten Öffentlichkeit ab und zu Irritationen geben mag. Wer die GEMA deshalb womöglich mit einer Behörde wie der GEZ vergleicht oder ihren Mitarbeitern Beamtenmentalität unterstellt, offenbart bestenfalls Unkenntnis und schlimmstenfalls diffamierende Bösartigkeit.
Selbstverständlich gibt es oft genug berechtigte Anlässe für Kritik – es wäre unheimlich, würde ein solcher Apparat völlig geräusch- und reibungslos funktionieren. Am Ende bleibt indes festzuhalten: Die GEMA vertritt die Interessen der Urheber, weil sie eine Organisation der Urheber ist. Gäbe es sie nicht, stünden die Urheber weitgehend ohne gesichertes Einkommen, wie gering auch immer, da.
Und es ist im ureigenen Interesse der Urheber, mithin der GEMA, dass sich ihre Verwertungsgesellschaft flexibel auf alle neuen Nutzungsmöglichkiten und Verwertungsformen einstellt. Dass sie das kann, beweist die GEMA immer wieder, und zum Glück ist sie eine starke Organisation.
Eine solche Organisation tut gegenüber digitalen Weltkonzernen aus den USA mehr denn je not. Wer sich zum Urheberrecht europäischer Prägung bekennt, sollte also redlicherweise auch die Arbeit der GEMA anerkennen und nicht bei jedem Seniorensingen die Ressentimentkeule auspacken.
Manfred Gillig-Degrave
Chefredakteur MusikWoche






