Wie der nicht erwartungsgemäß verlaufene Börsengang der Warner Music Group (WMG) gezeigt hat, sind Analysten und Investoren nicht restlos von der Erfolgsgeschichte zu überzeugen gewesen, die WMG-CEO Edgar Bronfman jr. im Vorfeld verbreitet hatte. Das digitale Musikgeschäft werde eben nicht auf absehbare Zeit die Verluste im physischen Bereich auffangen, fürchten die Börsianer. Bronfman ist davon überzeugt, dass die WMG binnen vier Jahren ein Viertel ihres Umsatzes durch den Verkauf von Musik über Internet- und Mobilfunkanwendungen erzielen wird. Doch die Investmentbanker sehen die Zukunftsaussichten nicht so rosig: Ein Bericht von Sanford C. Bernstein & Company stellte erst letzte Woche fest, dass die CD-Verkäufe schneller schrumpfen als die digitalen Formate wachsen.
Für Bernstein-Analyst Michael Nathanson ist das Zögern der Investoren nachvollziehbar, „weil es hier um ein Geschäft geht, das in vielen Bereichen weiter abbaut“. Die öffentliche Wahrnehmung sei zwar in letzter Zeit stark auf die Entwicklung der neuen Geschäftsmodelle fokussiert gewesen, doch diese könnten „den grundsätzlichen Rückgang nicht ausgleichen“. Das physische Geschäft mache noch immer bei weitem den Löwenanteil am Umsatz einer Plattenfirma aus, findet auch Richerd Greenfield von Fulcrum Global Partners. „Ab wann kann man zuversichtlich sein, dass das digitale Wachstum den physischen Rückgang wettmachen wird? Darauf hat bislang niemand eine Antwort. Und deshalb reagieren die Investoren so zurückhaltend.“






