musikwoche.de: Wie sieht Ihr Blick auf die Geschichte des aMM aus?
Uwe Imhof: In den letzten fünf Jahren hat sich unglaublich viel verändert. Wir haben in dieser Zeit alle positiven und negativen Höhepunkte des Markts mitgemacht. Ich bin der Meinung, dass diese Kooperation nicht nur dem Einzelhandel gut getan hat, sondern auch dem Produkt Musik. Die Kooperation hat sich bewährt, weil wir mit geringen personellen und materiellen Mitteln effizient gearbeitet haben. Vor allem die vergangenen beiden Jahre sind geprägt von Konstanz und einer stetigen Vorwärtsbewegung im Bereich Dienstleistung, die aMM für seine Mitglieder bereithält. Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Tonträgerindustrie, die immer als Partnerschaft bezeichnet werden sollte, müssen wir allerdings erkennen, dass in den letzten Jahren vieles geschehen ist, was dem Einzelhandel nicht immer zuträglich war.
mw: Wohin hat sich das Geschäft mit der Musik entwickelt?
Imhof: Wir haben heute eine Situation, in der Musik nicht mehr den gesellschaftlichen Stellenwert hat wie noch vor Jahren. Bedauerlich ist, dass auch der Handel dazu beigetragen hat, indem er den Kunden beibrachte, dass eine neue CD nur 20 Mark zu kosten habe. Das ist eine schwierige Situation.
mw: Wie hat sich aMM entwickelt?
Imhof: In den vergangenen Jahren gab es Kollegen, die sich aus dem aMM verabschieden mussten. Gleichzeitig ist positiv zu bemerken, dass viele Einzelhändler den Weg in die Kooperation fanden. Auch wenn der Einzelhändler – wie das Wort schon sagt – zunächst von seinen eigenen unternehmerischen Zielen geprägt ist, bedeutet dies, dass er sich mit den Zielen der Kooperation arrangiert. Das ist nicht der einfache Weg. Eine Kooperation lebt aber davon, wie stark sich die Firmen innerhalb der Gruppe einbringen und sich dabei aneinander reiben. Darin liegt unsere Dynamik: Je mehr eine Kooperation intern lebt, desto mehr kann sie auch nach vorn gehen. Die Vielfalt von Erfahrungen und Know-how hat den Weg des aMM positiv geprägt.
mw: Wohin führt dieser Weg?
Imhof: Ein Ausblick hätte in der derzeitigen Situation etwas Prophetisches. Wir müssen uns zunächst fragen, wie wir die vielen Menschen zur Musik bringen oder bei der Musik halten können. Jeder, der Musik verkaufen will, muss diese Frage beantworten. Die Zeiten, in denen sich Musik fast von selbst verkaufte, sind vorbei. Außerdem müssen wir den Menschen, die sich für Musik interessieren, auch die notwendigen Informationen zukommen lassen: Wenn wir alle, Händler, Hersteller, Vertriebe, Künstler und Labels, das schaffen, dann bin ich davon überzeugt, dass Musik eine Zukunft hat, die es auch erlaubt, seine eigene Existenz in diesem Markt zu behaupten. Die absolute Stärke des Fachhandels ist, dass er auch neuen Künstlern eine Plattform bietet. Gerade in den letzten Jahren investierte der Fachhandel dafür erheblich in seine Outlets, in Personal, Dienstleistungsgrad und Atmosphäre.








