Dass man inzwischen zum Haupthindernis eines WTO-Beitritts Russlands geworden sein soll, sorgt bei den Betreibern des von westlichen Rechteinhabern als illegal eingestuften Downloadverkäufers AllOfMP3.com für zufriedene Gesichter. Bessere Werbung könne man nicht bekommen, ließ die Moskauer Firma MediaServices am vergangenen Wochenende wissen.
Die Handelsbeauftragte der US-Regierung, Susan Schwab, hatte kürzlich gesagt: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie Russland WTO-Mitglied werden soll, solange eine Website wie diese in Betrieb ist, die so eindeutig gegen alle Urheberrechte verstößt.“ Mit Aussagen wie dieser versuchten die Vereinigten Staaten lediglich die Interessen ihrer eigenen Wirtschaft vor der Konkurrenz aus Russland zu schützen, erklärte MediaServices-Sprecher Ilya Levitov. „Wir haben inzwischen jeden Tag gut 5000 neue Kunden. Das Problem, das die Amerikaner haben, sind nicht die Urheberrechte, sondern unser Geschäftsmodell und unsere Preise, die das Geschäft von US-Downloadhändlern kaputt machen“, so Levitov.
AllOfMP3.com verkauft Downloads zu Preisen, die in etwa einem Zehntel dessen entsprechen, was bei iTunes & Co. verlangt wird. Die Kosten pro Titel errechnen sich nach Dateigröße und Kompressionsrate und liegen zwischen zehn und 30 Cents pro Song. Ganze Alben sind bereits für zwei Euro zu haben. Die westlichen Downloaddienste „wollen natürlich die Preise der CDs erhalten“, so Levitov. „Wenn wir unsere Downloads auch für einen Dollar pro Song anbieten würden, gäbe es nicht das geringste Problem. Aber für diesen Preis können wir hier keine Musik verkaufen. Das wäre so, als würden Sie für einen Download zwei Flaschen Wodka verlangen. Das kann sich in Russland niemand leisten.“ AllOfMP3.com richte sich als russisches Unternehmen nur an russische Kunden.
Levitov wiederholte bei seinen Rechtfertigungen gegenüber den Nachrichtenagenturen die bekannten Positionen: AllOfMP3.com halte alle russischen Gesetze ein und entrichte Tantiemen an die Verwertungsgesellschaft ROMS, von der man auch die Lizenzen für den Downloadbetrieb erhalten habe. Von den IFPI-Mitgliedern wird diese Lizenz allerdings nicht anerkannt, weshalb von diesen Geldern bislang nichts an westliche Urheber geflossen ist. „Wir verstehen, dass das den Amerikanern nicht gefällt, aber wir verstoßen hier gegen keinerlei Gesetz.“
Ein Großteil der nach Angaben von MediaServices mehr als 5,5 Mio. Kunden seien Russen, allerdings würden auch viele Ausländer bei AllOfMP3.com einkaufen. „Wir weisen aber auf unserer Site darauf hin, dass man als potenzieller Käufer sich erst über die rechtliche Lage im Heimatland informieren sollte“, sagte Levitov.





