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AllOfMP3.com startet PR-Feldzug gegen die Musikbranche

Der rechtlich umstrittene Downloadhändler AllOfMP3.com ging am 17. Oktober in die Offensive: Bei einer internationalen Pressekonferenz verteidigte die russische Firma ihr Angebot gegen die Vorwürfe der gesamten Musikindustrie.

Der rechtlich umstrittene Downloadhändler AllOfMP3.com ging am 17. Oktober in die Offensive: Bei einer internationalen Pressekonferenz verteidigte die russische Firma ihr Angebot gegen die Vorwürfe der gesamten Musikindustrie.

Organisiert von einer amerikanischen PR-Agentur wollten die Betreiberfirma MediaServices und ihr Geschäftsführer Vadim Mamotin bei der Onlinekonferenz den Medienvertretern ihre Sicht des Streits mit der Branche schildern. Am Ende standen wenig neue Erkenntnisse – außer der, dass zwischen den Rechteinhabern und AllOfMP3.com wohl so schnell keine einvernehmliche Lösung zu erwarten ist. Mamotin bekräftigte durch einen Übersetzer seine Überzeugung, dass AllOfMP3.com ein legales Unternehmen ist, das in Russland seine Steuern bezahlt, dort alle Gesetze einhält und Tantiemen an die Urheberrechtsgesellschaft ROMS (Russian Multimedia and Internet Society) abführt. 15 Prozent vom Umsatz sollen es demnach sein, die der Downloadshop an die Verwertungsgesellschaft abführt.

Doch weil die internationale Vereinigung der Urheberrechtsgesellschaften, die CISAC, schon im Oktober 2004 mit der ROMS gebrochen hat und die Russen ausschloss, fließt kein Cent von ROMS an die ausländischen Urheber. Ein Zustand, den Mamotin bedauert. „Wir sind in der Vergangenheit oft völlig ungerechtfertigt als Piratenwebsite dargestellt worden“, so der AllOfMP3.com-Chef. „Aber es liegt in der Verantwortung der ROMS, die Tantiemen auszuschütten. Soweit wir im Bilde sind, hat sich die ROMS bereits an die IFPI gewandt, aber bislang weigern sich die großen Musikkonzerne, die Gelder anzunehmen.“

Dies liegt vor allem daran, dass man bei den Urhebern 15 Prozent von absoluten Dumpingpreisen nicht als angemessene Vergütung sieht. Doch Mamotin hält dagegen: „Wir richten uns mit unseren Preisen nach den Verhältnissen im russischen Markt.“ Dass es aber auch sehr viele internationale Kunden gibt, stört ihn wenig. Man weise seine Kunden schließlich ausdrücklich darauf hin, dass die Downloads von AllOfMP3.com unter Umständen im Herkunftsland des Kunden illegal sein können. Dies müsse der Käufer aber selbst prüfen. „Aber wir vermarkten und bewerben unser Angebot nicht aktiv im Ausland“, betonte Mamotin auf Nachfrage von MusikWoche.

Über ihre Umsätze machte die Firma keine Angaben, stellte jedoch klar, dass man erfolgreich arbeite und jederzeit gerne in direkte Verhandlungen mit Labels oder Künstlern treten werde. Auch die jüngsten Veränderungen im russischen Recht, die einen verbesserten Urheberschutz gewährleisten sollen, beeinflussten das Geschäft von AllOfMP3.com nicht, sagte der Geschäftsführer. Die Vorwürfe der Branchenverbände und der US-Regierung seien haltlos, eine Gefährdung für den WTO-Beitritt Russlands stelle AllOfMP3.com keinesfalls dar.

Nach der Konferenz mit den Medienvertretern bemühte sich IFPI-Chef John Kennedy umgehend, das Bild zurechtzurücken: Die Russen hätten versucht, ihre Legalität unter Beweis zu stellen, „aber sie wichen den entscheidenden Fragen nur immer wieder aus“. Die Behauptungen der Firma seien „völlig falsch“. Zudem sei es „irrelevant, ob ROMS an die Plattenfirmen herangetreten ist und Geld angeboten hat. Ich könnte genauso gut zu Bill Gates gehen und ihm einen Dollar für Microsoft bieten“.

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