In dieser Rolle beim DKV hatte Jörg Evers, der sich auf nationaler und internationaler Ebene vehement und mit Leidenschaft für die Rechte der Musikschaffenden einsetzte, einst im Gespräch mit MusikWoche einen Spruch der europäischen Wettbewerbshüter massiv kritisiert: „Mit dieser Kommissionsentscheidung wird das laut Unesco-Konvention schutzwürdige, identitätsstiftende Kulturgut Musik endgültig auf das ausschließlich am Warencharakter orientierte Niveau von Schweinehälften reduziert“, klagte Evers Mitte 2008 in einer Reaktion zum damals sogenannten CISAC-Verfahren. Im Kreis der Kolleg:innen sei er anschließend zeitweise „Schweinehälften-Evers“ genannt worden, verriet er später einmal.
Als Komponist und Musiker schuf Jörg Evers mehr als 600 Werke und errang damit zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. Evers fungierte auch als Arrangeur, Texter und Musikproduzent und spielte als Gitarrist und Bassist mit zahlreichen Musikgrößen.
„Jörg Evers‘ wunderbare Musik wird für immer bleiben – aber sein Tod ist für uns ein immens großer und schwer erträglicher Verlust“, sagt Ralf Weigand, Vorsitzender des Aufsichtsrats der GEMA. „Wir verlieren einen höchst schaffensfreudigen und kreativen Künstler, einen wunderbaren Freund und kollegialen Mitstreiter, der sich mit seiner starken, kundigen und passionierten Stimme unvergleichlich intensiv für die Belange der Musikschaffenden einsetzte. Unser größtes Mitgefühl gilt seiner Familie.“ Man werden Jörg Evers nicht nur in der GEMA schmerzlich vermissen, betont Weigand. „Seine Impulskraft, die geradlinige und offene Haltung werden wir uns stets in Erinnerung rufen und auch zukünftig weiter als Maßstab setzen.“
Als Vorstandsvorsitzender der GEMA wertet Harald Heker den Tod von Jörg Evers als großen Verlust für die kreative Gemeinschaft: „Er war national und international überaus anerkannt in seinem unermüdlichen Einsatz für die Belange der Urheberinnen und Urheber von Musik. An jedem Ort und in jeder Gemeinschaft genoss er höchsten Respekt.“ Jörg Evers habe „meisterlich“ Menschen vernetzen und dabei „intensive Freundschaften über Generationen, Ländergrenzen und musikalische Genres hinweg“ aufbauen können: „Wir werden ihn in der GEMA, aber auch in den verschiedenen internationalen Arbeitsgruppen und Gremien sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“
Neben seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat und unterschiedlichen Gremien der GEMA engagierte sich Jörg Evers international unter anderem im CIAM-Vorstand, wo er seit 2018 als Vizepräsident fungierte, aber auch im Board der ECSA von 2008 bis 2016. Auf nationaler Ebene kam seine Präsidentschaft im DKV von 2005 bis 2012 hinzu.
Seine musikalische Karriere startete der gebürtige Bayreuther nach dem Studium der Musikwissenschaft sowie Orchestration und Arrangement am Richard-Strauss-Konservatorium in München mit Tourneen mit Amon Düül II oder der Peter Maffay Band. „Nach dem Leben auf der Bühne wandte er sich der Komposition zu“, heißt es im Nachruf der GEMA. „Er erhielt zahlreiche Gold- und Platin-Schallplatten, unter anderem für Montell Jordan, Da Brat, Claudja Barry, Ronnie Jones, Sylvie Vartan, Joe Dassin, Engelbert Humperdinck und Die Jungen Tenöre. Auch für Film, Fernsehen und Werbung komponierte Jörg Evers zahlreiche Erfolgsmelodien.“ Zudem komponierte Jörg Evers Musik für Film und Fernsehen, unter anderem für „Save The Last Dance“, „Werner-Beinhart“, „Ballermann 6“, „Manta Manta“ und die TV-Serie „Herzblatt“.





