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40 Folgen „Bravo Hits“: Bilanz und Ausblick

Am 14. Februar veröffentlicht Warner Strategic Marketing – WSM die 40. Folge der „Bravo Hits“. musikwoche.de bat WSM-Chef Thomas Schenk und Werner von Moltke, Verlagsleiter Bravo Spezial, um eine Bestandsaufnahme und einen Ausblick auf die Zukunft der Serie im abnehmenden Compilation-Markt.

musikwoche.de: Können Sie uns aktuelle Gesamtverkaufszahlen von „Bravo Hits“ seit Folge eins nennen? Wie viele Folgen standen jeweils wie lange auf Platz eins der Compilation-Charts?

Thomas Schenk: Die Serie „Bravo Hits“ hat weit über 40 Millionen Stück zehn Jahren verkauft. Im Schnitt kann man sagen, dass die „Bravo Hits“ pro VÖ neun Wochen Platz eins der Compilation-Charts besetzt.

Werner von Moltke: Darüber hinaus ist es uns auch gelungen, eine erfolgreiche Markendiversifikation vorzunehmen und unter dem Label „Bravo“ weitere Tonträger-Serien erfolgreich im Markt zu etablieren. Dabei sind sowohl die „Bravo – The Hits“ (Year-End-Compilation) als auch die „Bravo Black Hits“ Marktführer in ihren jeweiligen Segmenten geworden. Auch die „Bravo Super Show„-CD als begleitender Tonträger zum entsprechenden TV-Event ist jedes Mal an der Spitze der Compilation Charts zu finden.

mw: Wie haben sich die „Bravo Hits“ im Lauf der Jahre verändert – von der musikalischen Ausrichtung bis zur Covergestaltung und den Werbestrategien?

Schenk: Mit der Folge eins waren wir noch in der Findungsphase. Diese war eine Einzel-CD mit Oldie-Tipps. Danach war schnell erkannt, dass die „Bravo Hits“ die Charts so aktuell wie möglich beinhalten muss. Die kreative Spielwiese war das Cover, der Booklet-Inhalt und die Promotion.

von Moltke: Das Prinzip, dass wir dabei verfolgen, ist: „Jede ‚Bravo Hits‘ eine eigene Welt“. Ich denke, dies ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren neben der stets bestmöglichen Musikauswahl gewesen. Dies zwingt bei jedem Produkt zu ganz eigener Kreativität und ganz neuen Mehrwerten, die stets zeitgemäß sind. Ich denke, es ist ein entscheidender Vorteil, dass sich die ‚Bravo Hits‘ in punkto Marketing, Covergestaltung, Zusatzprodukten etc. nie auf Standardlösungen verlassen hat, weil diese im Laufe der Zeit ganz einfach zu Abnutzungserscheinungen geführt hätte.

mw: Hat sich die Struktur der „Bravo Hits“-Käufer über die Jahre verändert?

Schenk: Die Zielgruppe ist am unteren und am oberen Ende breiter geworden, so dass man eigentlich von einer „Crossover-Hits-Compilation“ sprechen kann.

mw: Der Compilationmarkt steckt in der Krise. Gerüchte sprechen gerade bei den großen Hit-Compilations von drastischen Einbrüchen bis auf ein Viertel früherer Verkaufszahlen. Trifft das in solchen Größenordnungen auch bei „Bravo Hits“ zu? Welche Wege gibt es aus der Krise?

Schenk: Das stimmt und trifft auch auf die „Bravo Hits“ zu. Allerdings sind die Verkaufszahlen dann immer noch knapp unter einer Million. Die Wege daraus sind: 40 Hits und keine Füller, Content im Booklet, Kopierschutz, kreatives Marketing, gute Joint-Venture-Partner, enge Zusammenarbeit mit dem Hause Bauer/“Bravo“ und zum Schluss sollte eine „Bravo Hits“, je länger sie im Regal präsentiert wird, umso wertvoller werden durch enthaltene Titel, die sich erst nach der VÖ zu Single-Hits entwickeln.

mw: Liegt das Problem auch darin, dass sich die Hörgewohnheiten der Jugendlichen geändert haben, dass sie mehr nur ganz bestimmte Stilrichtungen bevorzugen und stilistisch gemischte Hit-Compilations deshalb nicht mehr so gefragt sind?

Schenk: Nein, es gab schon immer eine Klientel, die keine „Bravo-Hits“ gekauft hat, seien es Metal-Consumer oder Hip-Hopper.

von Moltke: Im Bereich der Hip-Hopper haben wir daher mit den „Bravo Black Hits“ ein entsprechendes Produkt platziert, und dies wurde auch entsprechend angenommen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Kannibalisierung zu den „Bravo Hits“, sondern damit sprechen wir diejenigen an, die aufgrund ihres jeweiligen Musikgeschmacks die „Bravo Hits“ ohnehin nicht kaufen, oder eben diese gerne als Zusatzprodukt kaufen. Eine Alternative zu den „Bravo Hits“ stellt dies in jedem Fall nicht dar.

mw: Stichwort Brennerproblem. Kann der Kopierschutz hier Abhilfe schaffen, den ja auch die „Bravo Hits“ jetzt haben?

Schenk: Kopierschutz kann das Kopieren erschweren und sollte darauf aufmerksam machen, dass Kopieren Unrecht ist. Ein Freak kann den Kopierschutz knacken und begeht eine strafbare Handlung. Ein Autodieb kann ein Auto knacken, ich kann es nicht.

von Moltke: Wichtig ist hier, dass kurzfristig funktionierende, User-freundliche, preisfähige und vor allen Dingen Industrie-übergreifende Modelle angeboten werden. Der durchschnittliche Konsument will nämlich nicht klauen; er will aber bestimmte Angebote nutzen. Wenn dies legal nicht angeboten wird, wird er ja quasi gezwungen, sich die Produkte auf anderem Wege zu besorgen. Gegen technologische Möglichkeiten wird sich niemand dauerhaft stellen können. Die Frage ist, wie man diese Entwicklungen und Möglichkeiten bestmöglich nutzt.

mw: Wird es, da die Industrie neue legale Downloadmodelle forciert, die „Bravo Hits“ bald auch zum individuellen Selbstzusammenstellen im Netz geben?

Schenk: Die Industrie wird gemeinsam in Kürze ein Download-System anbieten. Auch hier wird die „Bravo Hits“ in Zusammenarbeit mit unserem Partner „Bravo“ marktführende Zeichen setzen.

von Moltke: In diesem Kontext bietet sich insbesondere die bravo.de-Plattform an, die mittlerweile mit über 30 Millionen PIs pro Monat die erfolgreichste Jugendsite in Deutschland ist.

mw: Wie sind Sie zufrieden mit der Resonanz auf die erste „Bravo-Hits“-DVD? Werden Sie die Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen?

Schenk: Die Compilation-DVD ist zur Zeit noch nicht das große Geschäft. Will sagen: Der Aufwand steht nicht im Verhältnis zu den Verkäufen. WSM wird sich in diesem Bereich etwas bedeckter als unsere Mitbewerber halten. Sollte die Nachfrage größer werden, haben wir das Repertoire und die Marken wie zum Beispiel „Bravo Hits“, um von null auf 100 durchzustarten. Wir haben den DVD-Wagen vollgetankt vor der Tür stehen.

mw: Auf der Anzeige zur neuen Folge ist BMG mit als Partner genannt, was vorher nicht der Fall war. Gab es da eine aktuelle Änderung in der Joint-Venture-Konstellation?

Schenk: Ja, die Konstellation der Joint Ventures hat sich geändert. BMG ist erstmals Joint-Venture-Partner bei „Bravo Hits“ und wird die „Bravo“-Year-End vertreiben. Wir freuen uns auf BMG und sind traurig, dass Sony nicht mehr dabei ist.

Bravo Hits 40

Joint-Venture-Partner: Polystar, BMG Ariola Media (neu) Top-Titel: Diverse: „We Have A Dream“, Robbie Williams: „Feel“, Panjabi MC: „Mundian To Bach Ke“, Xavier Naidoo: „Abschied nehmen“ Extras:

Karaoke-Wettbewerb zu „We Have A Dream“ mit Plattenvertrag als Hauptpreis; Gewinnspiel um VIP-Pässe für „Bravo Supershow“; Manga-Bügelbild zum Cover-Artwork; Download-Code für kostenlose Handylogos und Screensaver sowie günstige Klingeltöne auf bravo.de TV-Kampagne: bis 14. März (ProSieben, RTL II, Sat.1, Vox, MTV, MTV2 Pop, Viva) Print: Features, Verlosungen, Rezensionen in „Bravo“, „Bravo Girl“; „Bravo Sport“, „Bravo Screenfun“

mw: Wie bewerten Sie den aktuellen Stellenwert der „Bravo Hits“ innerhalb der ganzen „Bravo“-Familie sowie im Compilation-Markt? Bringen die „Bravo Hits“ noch richtig Geld ein, oder ist – aufgrund steigender Kosten für Werbung und Lizenzrechte bei sinkenden Verkäufen – damit nicht mehr viel zu verdienen?

Schenk: Über Geld und Profit spricht man nicht, das hat man. Das Haus Bauer und Warner Music – beide mit Sitz in Hamburg – wären schlechte hanseatische Kaufleute, wenn wir fünfmal im Jahr eine „Bravo Hits“ veröffentlichen, um Verlust einzufahren.

von Moltke: Für die „Bravo“-Family besitzt die „Bravo Hits“ nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert, und sie ist als solches für uns auch gar nicht mehr wegzudenken. Ganz im Gegenteil: Trotz der aktuell eventuell rückläufigen Verkaufszahlen haben und werden wir unsere Aktivitäten im Musikbereich weiter ausbauen. Neben der bereits erwähnten Diversifikationsstrategie haben wir mit dem gemeinsam mit Warner gegründeten Label basicx einen weiteren Schritt in den Musikmarkt vollzogen. Darüber hinaus wollen wir uns als Partner von Warner und der gesamten Musikindustrie auch in weiteren Feldern als Partner profilieren, insbesondere im Bereich der neuen Technologien und Verwertungsformen.

mw: Wird es in zehn Jahren die „Bravo Hits“ noch geben?

Schenk: Ja, davon bin ich überzeugt – in welcher Form auch immer: als Download, Telefon-Chip oder als Spezial-Auflage als CD für Sammler. Lassen Sie sich überraschen.