Recorded & Publishing

15 Jahre Konzertagentur Berthold Seliger

Die Konzertagentur Berthold Seliger feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen – und zugleich eines der erfolgreichsten Jahre in der Firmengeschichte. Die behutsame Aufbauarbeit für Bands wie Calexico oder Lambchop trägt Früchte.

“Die drei letzten Jahre waren die besten für unsere Agentur“, erklärt Berthold Seliger im Gespräch mit musikwoche. „Kontinuität und seriöses Arbeiten zahlen sich aus.“ So im Fall Calexico. Die Band aus Arizona betreute Seliger von frühen Gigs wie dem vor 150 Leuten in Marburg bis zur diesjährigen, ausverkauften Tour zum Top-Ten-Album „Feast Of Wire“. Hier erwies sich Seligers Strategie als weitsichtig, die Desert-Rock-Eklektizisten auch regelmäßig in der Provinz zu buchen: „Calexico wären nie so groß geworden, wenn sie nicht flächendeckend getourt hätten.“ Auch Lambchop, die Klangästheten zwischen Country, Soul und Kammer-Pop, begleitete er von Anfang an und betreut sie in Europa und in Südamerika. Ein Drittel seiner Konzerte veranstaltet er mittlerweile außerhalb Deutschlands.

Seliger begann 1988 in Fulda als örtlicher Veranstalter mit einem Auftritt von Gerhard Polt und der Biermösl Blosn. Allmählich stieg er ins Tourgeschäft ein: Er engagierte noch vor der Wende DDR-Künstler wie Barbara Thalheim und das Duo Sonnenschirm, machte Weltmusik-Acts wie Bratsch aus Frankreich oder das russische Terem Quartet in Deutschland zu festen Größen und buchte persönliche Helden wie Townes van Zandt oder aktuell John Cale. 2001 zog er mit der Agentur nach Berlin. Eine Liste seiner Künstler findet sich im Booklet der Jubiläums-CD „Absolutely Live 2003“. Sie enthält Aufnahmen von Tourneen der Seliger-Geschichte, darunter von den Residents und Yo La Tengo. Die CD, die er an Geschäfts- und Medienpartner verschenkt, gibt es auch zum Kauf über seine Homepage oder per Glitterhouse-Mailorder. Seliger plant zudem ein Buch über die Agentur, in dem er wie in seinen Newslettern auch Aspekte des Musikgeschäfts analysieren will.

Für 2004 können sich die Musikliebhaber auf die nächste Lambchop-Tour sowie auf seine deutsche Lieblings-Band FSK und die französische Schauspielerin und Sängerin Julie Delpy freuen. Dabei geht er wieder nach dem Motto „So günstig wie möglich und so anspruchsvoll wie nötig“ vor. Er versucht, die Preise niedrig zu halten, aber nicht auf Kosten der Atmosphäre: „Bei Lambchop kann ich die Münchner Muffathalle mit 1500 Stehplätzen füllen, bestuhlt kriege ich nur 900 rein. Aber das ist für diese Band, die höchste Konzen- tration verdient, einfach angemessen.“