“Entscheidend sind für uns die Musikliebhaber, die zwar nur zehn Prozent der Bevölkerung stellen, aber 80 Prozent der Musik kaufen“, macht Markus Kühn, Gesellschafter und Geschäftsführer Motor FM, klar. „Qualität interessiert uns mehr als Quantität.“ Intern rechnet der Radiosender mit einem Marktanteil von ein bis zwei Prozent; Optimisten sehen sogar Anteile von drei bis fünf Prozent. „Wichtig ist, dass die Inhalte so neu und interessant sind“, sagt Kühn, „dass der Hörer auch zum Käufer wird.“
Dies habe sich zum Beispiel bei den Stereophonics gezeigt, deren Album in den regionalen Trendcharts 25 Plätze über dem Bundesschnitt lag. Die Kosten des Sendebetriebs von Motor FM, das zur kleinen Firmengruppe des ehemaligen Universal-Chefs Tim Renner gehört, liegen im „mittleren sechsstelligen Bereich pro Jahr“ und werden durch Markenpartnerschaften mit BMW, Puma, Paramount Pictures und Atari finanziert. Bis zum Ende dieses Jahres sollen noch ein oder zwei Partner hinzukommen. „In den ersten beiden Jahren schaffen wir eine schwarze Null“, prognostiziert Kühn.
Bei den Markenpartnerschaften ginge es aber nicht nur ums Geld, sondern um musikalischen Inhalt. So wurde mit BMW eine Compilation mit Motor-FM-Titeln produziert, die im Internet kostenlos bestellt werden kann und auch dem „BMW-Magazin“ beiliegt. „Frühestens ab dem dritten und spätestens im fünften Jahr sollten uns die Downloads finanzieren“, hofft Kühn. Voraussagen darüber, wie viele Songs dann per Download verkauft werden, sind indes schwierig, da Erfahrungen in diesem Bereich fehlen. „Durch den Kontakt zu unseren Hörern wissen wir aber, dass die Leute Geld für Musik ausgeben wollen, zumal wir viele Titel spielen und anbieten, die es nirgendwo sonst zu kaufen gibt.“
Langfristig sieht Kühn Motor FM gut aufgestellt. In fünf bis sieben Jahren sollen die UKW-Frequenzen im Zuge der europäischen Neuordnung des Radiowesens abgeschaltet und auf digitales Radio umgestellt sein. Dann werden noch mehr Sender um Stücke vom gleichen Werbekuchen kämpfen. Dieses Problem tangiere Motor FM nicht, erklärt Kühn: „Unser Geschäftsmodell ist vom klassischen Werbemarkt unabhängig. Unsere Marke ist klar definiert. Dadurch fällt uns die Akquise von Sponsoren leichter.“ Seit Ostersonntag ist Motor FM auch im Raum Stuttgart auf Sendung, und ab 1. Juli wird der Kanal über Satellit Astra digital europaweit empfangbar sein. Weitere Regionen sind geplant.
In Kürze soll Motor FM in Kooperation mit Vodafone auch über UMTS zu hören sein. Bis Jahresende rechnet das Team um Kühn mit rund zwei Millionen Nutzern, die dann die gerade gehörten Lieder direkt übers Handy downloaden können. „Das Kaufverhalten der Kunden wird sich durch entsprechende Endgeräte wie etwa das Walkmanhandy von Sony Ericsson radikal ändern“, ist sich Kühn sicher. „Das ist der Musikkonsum der Zukunft.“








