“Wir sind ja kein kleines Dance-Label mehr, sondern eine richtige Firma“, erklärt Jens Thele. „Da mussten wir etwas Gas geben. Schließlich wollen alle am Ende des Monats ihren Gehaltszettel sehen.“ Als Krönung dieses Prozesses standen Songs von Scooter und Mad“House abwechselnd auf dem Siegertreppchen der Charts, und mit erfolgreichen Alben von ATB und Starsplash fand die Label-Politik der vergrößerten Firma Kontor auch bei den Longplay-Charts Niederschlag. „Wir sind sehr zufrieden mit den ersten Monaten. Besser konnte es nicht laufen. Besonders froh bin ich darüber, dass wir mit dem ATB-Album in die Top Ten gegangen sind. Damit hat André endgültig die Nische eines reinen Dance-Acts verlassen und den Crossover in den Popmarkt geschafft“, erläutert Thele. „Und auch der Erfolg von Starsplash zeigt, dass wir mit unserer Strategie, immer wieder neue Künstler auch langfristig aufzubauen, richtig liegen.“
Problemlos verlief auch der Wechsel von Universal zum edel-Vertrieb: „Uns kam dabei zugute, dass sich edel auf all unsere Themen gleich stark konzentrierte. Gerade in den ersten Monaten hatten wir aber auch sehr starke Produkte, die diesen Einsatz rechtfertigten.“ Dazu zählt Thele das Projekt Mad“House und seine Version des Madonna-Songs „Like A Prayer“: Sie setzte sich gegen andere Varianten durch, weil Kontor bei der Radio-Promotion sehr schnell agierte, und auch Viva, MTV und MTV2 Pop rasch auf Mad“House reagierten. „Damit ist uns ein Lucky Shot gelungen. Und vielleicht sind es kleine Nuancen bei der Produktion des Tracks, die dazu führten, dass er nun besser abgeschnitten hat als die beiden Mitbewerber. Aber wir haben uns mit den Kollegen von wea und ihrer Version einen sportlichen Wettbewerb geleistet und zum Charts-Entry auch gemeinsam ein, zwei Bier getrunken.“
Einen wichtigen Faktor für den Erfolg sieht Thele auch im eigenen DJ-Pool: „Für uns hat der Pool nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert: Intern, weil mit dem DJ-Promoter durch den engen Kontakt zur Basis immer auch eine potenzielle A&R-Zelle entsteht. Zudem spielt der Pool als Gradmesser für die Qualität eines Tracks eine wichtige Rolle.“ Kontor verzichte auf einen „extremen Hype“ mit ständigen Telefonnachfragen bei den DJs. „Wenn ein Titel nicht so gut läuft, dann lassen wir es damit bewenden“, erläutert Thele. Er sieht die Gefahr, dass Dance-Charts, in denen „nur hochgehypte Titel ohne wirkliches Charts-Potenzial oben stehen, unser eigenes Grab graben. Denn dann wird Viva die Songs daraus irgendwann nicht mehr auf Rotation nehmen.“
Deswegen will Kontor die Zusammenarbeit mit externen Bemusterungs-Pools zwar nicht völlig einstellen, aber die Ausgaben reduzieren. Die eingesparten Gelder sollen anstehende Schwerpunkten zugute kommen. Dazu zählen die aktuelle Gardeweg-Single „All I Want“ und weitere Veröffentlichungen von Tillman Uhrmacher, Rank 1, Future Breeze sowie Starsplash.



