Für Gründungsmitglied, Gitarrist und Songwriter Andreas Kisser stand am Anfang die Suche nach einem neuen konzeptionellen Ansatz: „Einer Band wie Sepultura, die in ihrer Karriere schon sehr viele verschiedene Wege gegangen ist, fällt das gar nicht so leicht, mit jedem Album einen neuen Kurs einzuschlagen.“ Sepultura komponierte in den vergangenen Jahren für diverse brasilianische Filme die Soundtracks, was sich in einer Verfeinerung der eigenen Arbeit niederschlug.
„Für unser neues Album suchte ich nach einem Aufhänger. Zuerst dachte ich an Stanley Kubricks Film ‚Clockwork Orange‘, bis mich unser Sänger Derrick Green auf Dante Alighieris Klassiker ‚Göttliche Komödie‘ aufmerksam machte. Ich war sofort begeistert von dem Buch, auch wenn es schon vielen Künstlern als Vorlage gedient hat.“
Von der Geschichte inspiriert
Für Kisser stand von Anfang an fest, dass er die Ideen und Aussagen des Werks aus dem 14. Jahrhundert mit der Gegenwart verbinden wollte. „Deshalb haben wir die Platte auch ‚Dante XXI‚ genannt, wegen dem 21. Jahrhundert. Das Buch hat mit seinen Texten extrem inspiriert. Ich war überrascht, wie viele Verbindungslinien es in Bezug auf Religion und Gesellschaft zwischen der damaligen Zeit und unserer gibt.“
Auch musikalisch animierte die Beschäftigung mit Dante Sepultura zu neuen Höheflügen. Mit 15 Tracks knüpft die Band dort an, wo sie nach der Trennung von Sänger Max Cavalera, der heute mit der Band Soulfly aktiv ist, ein wenig den Faden verlor.
Keine Phrasendrescherei
Sepultura war schon immer eine Formation, die die engen Grenzen des Metal-Genres nicht akzeptierte und nach neuen musikalischen Wegen suchte. „Dante war eine so gewaltige Inspirationsquelle für uns, dass wir ohne Schwierigkeiten mit dem vorhandenen Material 20 Alben hätten füllen können“, erklärt Andreas Kisser. Für den Gitarristen steht fest, dass Sepultura ohne die eingehende Beschäftigung mit Dantes Visionen auch musikalisch in eine ganz andere Richtung gegangen wären.
„Ein Song wie ‚Still Flame‘, der sich von allem unterscheidet, was wir bisher gemacht haben, wäre sonst nicht möglich gewesen.“ Sepultura gelingt es auf ihrem neuen Album, „Dante XXI“, jedenfalls überzeugend, politische und gesellschaftliche Sachverhalte in prägnante Songs und Texte zu verpacken, ohne dabei in billige Phrasendrescherei abzugleiten.


