Acht Jahre sind seit „Let Us Play„, dem letzten Album von Coldcut, vergangen. Und es gab nicht wenige Insider, die darauf gewettet hätten, dass das Duo, das auf einzigartige Weise Elektronik, HipHop und Pop verband, nie wieder eine Platte veröffentlichen würde. „In der Tat ist die Welt nicht stehen geblieben“, beginnt Jonathan More das Gespräch mit typisch britischem Understatement.
„Matts Sohn ist inzwischen ein junger Mann geworden und meine Tochter eine junge Frau. Zudem hat sich die Technologie signifikant weiterentwickelt und sorgt dafür, dass wir meistens nicht mehr ganz so frustriert sind wie in der Vergangenheit.“
Als Wagnis empfindet er das Comeback von Coldcut trotz aller Unwägbarkeiten nicht. „Nach dieser langen Zeit wusste wirklich niemand, was er von uns erwarten sollte. Wir hätten ja auch ein Album abliefern können, das sich mehr an den musikalischen Zeitgeist anlehnt, oder eine Post-Punk-Disco-Platte. Das soll ja jetzt angesagt sein.“
Keine Kategorien
Doch Coldcut sind sich auch auf „Sound Mirrors“ treu geblieben. Sie blicken konsequent nach vorn und kreieren ihren ganz eigenen Sound, angereichert mit jeder Menge HipHop- und Elektronik-Klängen. „Das Gute dabei ist“, so Jonathan More, „dass wir heute nicht in solchen Kategorien denken müssen, da wir nie richtig hip waren.“
Die Liste der beteiligten Musiker und Rapper ist trotzdem mehr als beeindruckend und reicht von Roots Manuva über Jon Spencer, Saul Williams, Robert Owens und Amiri Baraka bis hin zu Annette Peacock. „Wir sind Fans dieser Künstler und versuchten deshalb, sie für unser Projekt zu gewinnen.“
Neu interpretiert
Da ist zum Beispiel Robert Owens, den More schon seit den 80er-Jahren bewundert. „Er hat eine wundervolle Stimme, und sie passt genau zu ‚Walk A Mile‘, der einzigen Coverversion der Platte.“ Das Original stammt übrigens von Joe South, und es soll, wie More ausführt, sogar eine Interpretation von Elvis Presley geben.
Zuerst hatten Coldcut einen anderen Sänger für den Track vorgesehen, waren aber mit dem Ergebnis der Aufnahmen überhaupt nicht zufrieden. „Da erzählte mir jemand, dass Robert jetzt in London lebt, und ich habe nicht lange gezögert und ihn angerufen.“
Die Erfahrung machts
Coldcut haben an diesem Album über drei Jahre gearbeitet. „Es ist natürlich sehr angenehm, wenn einem die Plattenfirma nicht permanent im Nacken sitzt, aber irgendwann kommt bei jedem Album der Punkt, an dem man den Produktionsprozess einfach etwas beschleunigen muss.“
Coldcut sind schon viel zu lange im Geschäft, um nicht genau zu wissen, wie weit man gehen kann. Das reicht von der Auswahl der Gäste bis hin zum absolut zeitgemäßen Sounddesign der Platte. Jonathan More und Matt Black befreiten die Songs so weit wie möglich von Ballast.
„Wir haben zwischen 30 und 40 Tracks produziert und nach und nach entschieden, wer als Sänger am besten dazu passen könnte.“ An sich selbst zweifelten die beiden während des ganzen Entstehungsprozesses nie: „Wir wissen natürlich auch nicht, ob unsere Ideen auch diesmal wieder auf offene Ohren stoßen werden, aber wir sind in dieser Hinsicht sehr zuversichtlich.“


