Musik

Zeit für Ausdruckstanz

Helge Schneider ist 50 und die ganze Welt gratuliert. Na gut, nicht die ganze – aber der Teil, den Helgi stilistisch noch nicht geschockt hat. Und das sind mehr, als man denkt.

Als „singende Herrentorte“ positionierte sich Schneider ab Mitte der 80er-Jahre in der Kleinkunstszene des Ruhrgebiets. In eine Schublade ließ sich der Mülheimer von Anfang nicht stecken. Absurde Kurzgeschichten, kitschige Schlager, minutenlange Jazzimprovisationen – all dies passte und passt bei Helge in einen Abend.

1994 erweiterte der Entertainer sein Repertoire um einen Mega-Hit. Mit „Katzeklo“ trat Helge Schneider vor 16 Mio. Fernsehzuschauern bei „Wetten, dass…?“ auf. Das Doppelalbum „Es gibt Reis, Baby“ verkaufte mehr als 300.000 Einheiten. Dennoch ging der Künstler keine Kompromisse ein und vergraulte einen Teil des Massenpublikums schon ein Jahr später mit einer eigenwilligen Orchestertournee.

Abschied von Doc Snider & Co.

„Projekte, bei denen ich nicht improvisieren kann, machen mir weniger Spaß“, sagt Schneider über sich selbst. Als Konsequenz will er in näherer Zukunft keine eigenen Filme und keine Theaterarbeit mehr machen. Der Schwerpunkt soll vor allem auf Tourneen, CD- und Buchveröffentlichungen liegen. Davon gibt es auch einige zum runden Geburtstag.

Tacheles!, das Wort-Label von Roof Music, hat gerade im Vertrieb von Indigo ein Hörbuch des Schneiderschen Expeditionsromans „Globus Dei“ veröffentlicht. Ebenfalls bei Tacheles! ist eine DVD mit dem Theaterstück „Mendy – Das Wusical“ erschienen, das Helge Schneider am Schauspielhaus Bochum inszeniert hatte.

Tourneen bis ins hohe Alter

Dieses Werk verkürzt natürlich immens die erhebliche Wartezeit auf Helges eigene große DVD-Retrospektive – mit der er nach eigenem Bekunden allerdings noch knappe 20 Jahre warten will.

Bei seiner bemerkenswert vorausschauenden Lebensplanung ist das ohnehin kein Problem: „Der Trend geht dahin, dass die Leute über 100 Jahre alt werden“, sagt er. „Das habe ich auch vor.“ Genug Zeit also für viele Tourneen, von denen die nächste bereits zwei Tage vor seinem Geburtstag begonnen hat – am 28. August im Hamburger Stadtpark, nämlich

Helgi tanzt Ausdruck

Unter dem Motto „Kampf im Weltall“ (Veranstalter: Helge Schneider Enterprises) sind bereits 49 Termine fest gebucht. Im Mittelpunkt des Programms steht, wie Schneider sagt, die „lange vernachlässigte Kunstform des Ausdruckstanzes“.

Bis hierher war es ein langer Weg von Schneiders musikalischen Anfängen in der Mülheimer Szene: „Ich war damals in einer Band, die The New hieß und sich dann in New umbenannte“, erzählt der Jubilar. „Wir haben ausschließlich in a-moll gespielt.“