Wie gut diese Mischung auch live funktioniert, hat die Gruppe im Januar und Februar auf einer dreiwöchigen Europatournee unter Beweis gestellt. In den USA erregte die Band bereits mit den ersten Alben, „Word On The Street“ (1998) und „Unlearn“ (2000), die in Europa bisher nur als Import erhältlich waren, einiges Aufsehen. Erst mit Hilfe des Labels Ozone ist es der Youngblood Brass Band gelungen, für ihren dritten Longplayer „Center: Level: Roar“ mit Zomba auch in Deutschland einen Vertrieb zu finden.
Die elektrisierende Stilmixtur dürfte nicht nur eingefleischte HipHop-Fans ansprechen, sondern auch bei Jazz, Blues- und Funk-Fans auf begeisterte Reaktionen stoßen. Die Gruppe versteht sich als Mittler zwischen den verschiedenen musikalischen Welten. Auf der einen Seite die traditionelle Kultur der Brass-Bands aus New Orleans, von der Rebirth Brass Band über The Chosen Few Brass Band bis hin zur The Dirty Dozen Brass Band, auf der anderen Seite klassische HipHop-Elemente. Die nachhaltige Faszination für die Bläser-Bands war es auch, die Schlagzeuger und Rapper David Henzie Skogen Mitte der neunziger Jahre nach Gleichgesinnten suchen ließ, die mit ihm zusammen eine Band gründen wollten.
„Auf den ersten Blick ist es natürlich etwas verwunderlich, dass wir gerade aus einer Stadt wie Madison kommen, die doch über keine Brass-Band-Tradition verfügt“, erklärt Skogen im Interview mit musikwoche.de. „Aber das machte für uns damals ja gerade den besonderen Reiz aus.“ Damit niemand die Intentionen der Gruppe missversteht, betont Skogen im Interview mehrmals die Ernsthaftigkeit, mit der die Band von Anfang an agierte. Mit irgendwelchen Spaßkapellen wollen die neun Musiker auf keinen Fall verwechselt werden. Die Musik steuert weitgehend Sousaphonist Nat McIntosh bei, die Texte kommen von Skogen, der zugleich als Sprecher der Gruppe fungiert. „Die Band hat sich in den letzten Jahren immer weiter von der Ausgangsbasis entfernt. Unser erstes Album, ‚Word On The Street‘, das wir im Sommer 1997 eingespielt haben, war eine traditionelle Brass-Band-Platte. Die Einflüsse sind auch heute noch sehr stark herauszuhören, aber inzwischen ist es uns gelungen unseren Sound zu modernisieren.
Auf Album Nummer zwei, „Unlearn“, sogar mit Unterstützung von Musikern wie Talib Kweli, Mike Ladd und Ike Wikkis (Frank Zappa). „Durch die Hilfe dieser Leute ist es uns gelungen, ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Der Deal mit Ozone kam vor allem durch den Track mit Talib Kweli zustande, der inzwischen ja auch als 12″-Single veröffentlicht wurde. Dass es auf dem neuen Album keine Gastauftritte gibt, liegt daran, dass wir uns diesmal ganz auf uns selbst konzentrieren wollten.“ Dass Madison inzwischen nach New Orleans über die größte Dichte an Brass Bands weltweit verfügt, ist vor allem auf die Musiker der Youngblood Brass Band zurückzuführen. Für den Sommer sind weitere Auftritte der Band in Europa geplant.



