Musik

Wodara und Unger zur Kooperation mit der Post

Obwohl mit Libro ein wichtiger Handelspartner in Konkurs ging, lieferte Warner Music Austria die 18. Folge des Samplers „Ö3 Greatest Hits“ mit Platin-Status aus: Dabei half ein exklusiver Deal mit der Post. musikwoche de sprach mit dem stellvertretenden Warner-Geschäftsführer Manfred Wodara und mit Salesdirector Günter Unger.

musikwoche.de: Wie vermarktet Warner die „Ö3 Greatets Hits“ vor dem Hintergrund der Libro-Krise?

Manfred Wodara: Zunächst möchte ich einmal festhalten, dass Folge 18 wirklich ein äußerst delikates Tracklisting aufweist, sozusagen das Who-Is-Who der Charts und der großen Namen. Schöner geht es eigentlich nicht.

Günter Unger: Man kann durchaus sagen, dass diese Compilation mit jeder „Bravo Hits“-CD mithalten kann. Das Niveau ist absolut top.

Wodara: Und da nun durch das Libro-Debakel die Gefahr entstand, dass nicht alle, die dieses Produkt kaufen wollen, die Möglichkeit dazu haben, musste ein alternativer Vertriebsweg gefunden werden. Mit der österreichischen Post ist uns das, glaube ich, sehr gut gelungen. Allein über den Vertriebsweg mit 1.700 Postämtern konnte die Folge 18 mit Platin ausgeliefert werden. An jedem Postschalter sind nun Displays zu finden, verbunden mit Plakat- und Gewinnspielaktionen vor Ort und einer Rundfunk-Kampagne.

Unger: Getreu dem Post-Slogan „Die Post bring allen was“ kann somit die Nahversorger-Funktion von Libro wie wir glauben bestens kompensiert werden. Sollte sich dieses Projekt als erfolgreich herausstellen, wovon wir natürlich ausgehen, haben wir bereits weitere Projekte im Köcher.

mw: Gibt es bereits Trittbrettfahrer?

Wodara: Es wäre schön, wenn sich dieses Tool als gangbare und vernünftige Alternative herausstellen würde, dann wären sicher auch Mitbewerber an dieser Möglichkeit interessiert. Wir werden zunächst abwarten, wie der Konsument reagiert. Um die Fußballersprache zu bemühen: Der Ball ist rund.

Unger: Warner Music hat die Post-Exklusivität jedenfalls bis Jahresende.

mw: Was für Aktivitäten gibt es bei Warner Music im Sommer für lokale Acts?

Wodara: Wir sind mit einer neuen Single von Max am Start, der bekanntlich sein Debut-Album, „1-13“, vergolden konnte. Von Max erwarten wir uns einiges. Das Airplay für die Single „La La La (Assasafuticante)“ ist sehr ermutigend und wir denken, dass diese Nummer das Potenzial zum Sommerhit 2002 hat.

Unger: Ich würde von einer Single-Offensive sprechen, da wir zudem die neue Commander & Friends-Single, „Yepee Yeah“, veröffentlichen, der im vergangenen Jahr unter dem Namen Commander & Lula mit „Qua Qua“ einen Charterfolg landete. Im lokalen Bereich sind außerdem zwei weitere Compilations erwähnenswert: Zum einen „Total Dance“, die wir in Zusammenarbeit mit dem in Monaco lebenden österreichischen Produzenten Norbert Reichert produzieren, zum anderen eine Kooperation mit Swarowski namens „Crystal Voices“, ein spezielles Projekt mit entsprechender Verpackung und Inhalt, über den wir jetzt noch nicht allzuviel verraten wollen. Ende August erscheint mit „Bravo Hits Vol. 38“ die erfolgreichste Compilation der Welt in einem Specialpackaging in zwei Versionen für Girls & Boys. Das Cover und das Booklet sind so gestaltet, dass sie nicht kopiert werden können.

mw: Wie sieht die weitere internationale Produktsituation bei Warner aus?

Wodara: Am 8. Juli erscheint das neue, den Markt mit positiven Impulsen belebende Album der Red Hot Chili Peppers, „By The Way“. Das Vorgängeralbum, „Californication“, setzte in Österreich über 100.000 Exemplare ab.

Unger: Eine schöne Vorgabe, aber ich denke, dass das neue Album absolut das Zeug dazu hat, diesen Wert zu erreichen oder sogar noch zu übertreffen.

Wodara: Mit Morcheeba, Linkin Park oder „Mega-Hits Vol. 2“ gibt es auch noch weitere Hoffnungsträger. Mit dem Sampler „La Vita e Musica Vol. 3“ konnten wir schon bislang einen schönen Erfolg verbuchen: Die letzte gemeinsame Aktion mit Libro vor der Pleite, bei der wir die CD gemeinsam mit Wein und einem Kochbuch anboten und innerhalb von zwei Wochen mehr als 5000 Einheiten über den Ladentisch gingen zeigt, dass der Markt nicht so tot ist, wie manche es glauben wollen. Ende September wird auch das neue Album von Al Bano Carrisi, „Canto Carusu“, erwartet, welches das Potenzial hat, an den Megaerfolg von „Concerto Classico“ anzuschließen.

mw: Wie schätzen Sie die Situation im Handel nach der Libro-Pleite ein?

Wodara: Wir gehen davon aus, dass es Nachfolger geben wird, die diese eingeführte und vor allem vom Österreicher gelernte Marke im Tonträgerbereich nicht einfach brach liegen lassen. Libro ist mit Sicherheit nicht daran zu Grunde gegangen, dass zu wenige Tonträger verkauft wurden. In der Zwischenzeit gilt es eben, kreativ und findig zu sein.

Unger: Das hartnäckige Gerücht, dass Tonträgerfirmen in den Handel einsteigen könnten, kann ich jedenfalls nicht bestätigen. Ich sehe indes wieder gestiegene Chancen für den Fachhandel, auf sich aufmerksam zu machen und dieses Vakuum ein wenig zu füllen.

Wodara: Wir haben ausreichend damit zu tun, uns auf unser ureigenstes Business zu konzentrieren, tolle Produkte anzubieten und die Menschen dazu zu bringen, wieder in den Laden zu gehen. In Zeiten wie diesen gilt es, nicht den Markt mit Tränen über erschwerte Bedingungen zu füllen, sondern mit Produkt. Gerade jetzt hilft Jammern wenig, vielmehr müssen alle Bestrebungen möglichst gebündelt dahingehen, den Konsumenten zu vermitteln, dass Musik einfach eine geile Sache ist. Die Zeit der „Schönwetter-Piloten“ ist vorbei. Jetzt gilt es mit entsprechender Flugerfahrung und mancher Kurskorrekturen ans Ziel zu kommen. Das heißt, dass richtige Produkt zur richtigen Zeit mit den Möglichkeiten des Marktes zu positionieren. Es muss uns allen gelingen, das Produkt Tonträger wieder zu emotionalisieren und zu einer heißen Ware zu machen. Die Menschen dazu zu bringen, dass sie wieder das Original besitzen wollen. Angeführte Releases wie „La Vita“ oder das Swarowski-Projekt sind unserer Meinung nach entsprechende Beispiele. Jedes Produkt, auch von Mitbewerbern, das Menschen in den Laden bringt ist willkommen.

mw: Wie begegnen Sie dem Problem des Raubkopierens?

Wodara: Wenn Massenmedien zum Raubkopieren anstiften und mit Anleitungen dazu Auflage machen wollen, ist das für mich nicht nachvollziehbar. Es scheint vergessen zu werden, dass man hier zum Diebstahl von geistigem Eigentum aufruft und das sich das natürlich geschäftsschädigend auswirkt. Die Ifpi ist hier natürlich mit entsprechender Schärfe aktiv. Dennoch ist es unsere Hauptaufgabe, nicht darüber zu Lamentieren, sondern dem Markt Impulse zu verleihen. Dazu bedarf es, neben hipen Produkten, auch engagierter, motivierter Mitarbeiter, die – ähnlich fanatischen Sportlern – mit vollem Einsatz für die Sache und ohne beamtetes „nine-to-five“-Denken ans Werk gehen.

mw: Wie schätzen Sie das Potenzial der DVD ein?

Wodara: Die DVD erfährt zur Zeit extreme Zuwachsraten, dementsprechend versuchen wir auch in diesem Segment attraktive Produkte im Programm zu haben. Als Beispiel sei angeführt, dass wir unter anderem auch Universum-DVDs plus CD im Vertrieb haben.

Unger: Seit dem 1. Juni vermarkten wir das gesamte Warner-Vision-Programm, das über eine Vielzahl von interessanten Produkten im Portfolio verfügt, wie zum Beispiel „Space Night – Perry Rhodan“.