musikwoche.de: Gibt es Überlegungen, Änderungen am redaktionellen Konzept von „Club Rotation“ vorzunehmen?
Sascha Kaus: Der Erfolg der Sendung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jedoch hat sich die Dance Szene in den letzten Jharen auch stark entwickelt. Nicht nur der Erfolg von Dance in den Charts spiegelt diese Entwicklung wider, auch die ständig wachsende Zahl an Künstlern, die uns über die Jahre hin begleiten, unterstützt dies. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, planen wir im nächsten Jahr die „Club Rotation“-Tour auf einen regelmässigen 14-tägigen Rhythmus auszubauen. Dadurch soll sich der Service-Character der Sendung verstärken, aber wir bieten der Industrie auch eine größere Plattform, um neue Acts und Künstler zu präsentieren.
mw: Welche Neuerungen gibt es noch?
Kaus: Specials, die bisher einen Anteil von fast 40 Prozent der Sendung ausgemacht haben, finden in Zukunft als Specials im Programm eine größere Bedeutung und können dadurch noch besser abgedeckt werden als bisher. Insgesamt bedeutet dies eine größere Flexibilität und eine stärkere Gewichtung von Dance im Viva-Programm.
mw: Man hört immer wieder, dass die Werbezeiten bei „Club Rotation“ zu den teuersten bei Viva gehören.
Stefan Kauertz: Die Show ist hervorragend ausgebucht, da sie perfekte Zielgruppenbedienung garantiert.
mw: Wie erklärt Sie sich den Erfolg der Sendung?
Kaus: „Club Rotation“ hat von Anfang an versucht, nicht als Stilguide oder Musikpolizei zu fungieren. Die Sendung spiegelt dass wider, was die Zuschauer unter Dance verstehen und hören wollen. Aus diesem Grund produzieren wir auch in Großraumdiskotheken und nicht in kleinen Keller-Clubs. Die Sendung soll dem Zuschauer die Musik bringen, die er hören will.
mw: Was bedeutet das für das redaktionelle Konzept?
Kaus: Wir haben wir immer versucht, möglichst nah am Geschehen zu sein – also keine Szene-Interviews in verdunkelten Räumen, sondern ständig inmitten der Party, dicht am Geschene und dem Zuschauer. „Club Rotation“ steht nicht für Aufklärung und Belehrung, sondern für Party und Spaß an der Musik.
mw: Ist die Online-Präsenz der Sendung innherhalb von www.viva.tv verbesserungswürdig?
Kaus: Sicher wird an der Online-Präsenz noch gearbeitet. Durch die Erweiterung der Viva-Homepage auf HTML werden wir sicher auch die „Club Rotation“-Seite noch stärker ausbauen. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir den Inhalt der Seite noch mehr auf die Inhalte der Sendung abstimmen. Jedoch werden wir nicht den Service bieten können, wie es andere Seiten in Bezug auf Dance und Techno tun.
Kauertz: Seit der Popkomm hat sich einiges getan und im nächsten Jahr werden wir die Online-Angebote noch verbessern.
mw: Viva hat dieses Jahr weder die Loveparade noch die Street Parade übertragen. Hatte das finanzielle oder redaktionelle Gründe?
Kauertz: Das Preis-Leistung-Verhältnis stimmte nicht in diesem Jahr.
mw: Wie beurteilen Sie das zunehmende Engagement von Ihres Mitbewerbers MTV, der sich mit der von Tom Novy moderierten „Dance Charts“-Show und den ODC 40 auf MTV2 stärker im Dance-Bereich aktiv wird?
Kaus: Mit Tom Novy hat MTV sicher einen kompetenten Moderator gefunden, der sich ja auch schon bei uns bestens als Co-Moderator für Events wie die Mayday oder die Loveparade geschlagen hat. Insgesamt bleibt abwzuwarten, wie sehr sich MTV wirklich in diesm Umfeld engagieren wird. Bisher hat unser Mitbewerber deutsche Dance Musik ignoriert oder sie erst gespielt, als sie bereits in den Top Ten der Charts vertreten war.
Kauertz: MTV hat’s nun auch gemerkt…
mw: Ist insbesondere die ODC 40-Show eine Konkurrenz zu „Club Rotation“? Wäre möglicherweise eine Nennung der ODC innerhalb von „Club Rotation“ denkbar?
Kaus: Wie sich die Situation durch die „ODC 40“-Show verändern wird, muss die Zeit zeigen. Die Nennung irgendwelcher Dance Charts in einer unsere Sendungen wird es jedoch vorerst nicht geben. Bisher hat auch MTV seine Dance Charts präsentiert, ohne eine Erhebungsquelle zu nennen. Die ODC 40 erhalten durch die MTV-Show bestimmt eine neue Bedeutung, jedoch gibt es bisher keine Dance Charts, die absolute Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit in ihrer Erhebung bietet. Auch wenn man durch die Namensgebung den Eindruck vermitteln möchte, dass die ODC 40 die offiziellen Dance-Charts sind. Bisher hat noch keine Dance-Charts diesem Anspruch gerecht werden können. Die Erfahrung zeigt, dass es verschiedene Hitlisten im Dance-Bereich gibt, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.
mw: Von einigen Künstlern gibt es auch Kritik an der Sendung. Ein Underground-DJ ließ sich für ein Major-Projekt in seinen Vertrag schreiben, nicht bei „Club Rotation“ auftreten zu müssen, ein anderer will ebenfalls dort nicht gesehen werden, um seine Credibiltät nicht zu gefährden. Können Sie das nachvollziehen?
Kaus: Da „Club Rotation“ nur einen Teil der Dance-Musik widerspiegelt und sich auch nicht zum Ziel macht, alles zu präsentieren, was es in diesem Bereich gibt, wird dies wohl auch immer der Fall sein. Mit der Sendung „Electronic Beats“ bieten wir zudem ein weiteres Format für elektronische Musik, wo wir die Genres und Künstler abdecken, die „Club Rotation“ nicht erreicht. Wir kennen in der Dance-Musik so viele Stilrichtungen und Lager, dass man es nicht immer allen recht machen kann. Dies soll auch gar nicht die Aufgabe einer solchen Sendung sein. Im Laufe der letzten fünf Jahre hat es aber auch schon einige Künsler gegeben, die sich anfangs geweigert haben, in die Sendung zu kommen, mitlerweile aber regelmässige Gäste sind.
mw: Wird die Jubiläumsparty am 2. Oktober wie der Comet wieder ein Doppel-Event für Branche und Zuschauer?
Kaus: Wie schon in den Jahren zuvor werden sowohl jede Menge Fans als auch Partner und Freunde aus der Branche anwesend sein. In erster Linie ist die Party natürlich ein Event für die Fans. Es gibt weder Pannels oder Vorträge, sondern nur Musik. Die „Club Rotation“- Jahresparty soll abseits der ganzen Messen und Meetings aber auch ein Treffen für die Branche sein, bei dem man sich mal abseits vom Geschäftlichen trifft und Spaß hat.


