Musik

„Wir können auf die Jungen nicht verzichten“

Veranstalter Jürgen Meier-Beer über das neue Konzept bei der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest.

“ Gibt es Ihnen zu denken, dass trotz des neuen Konzepts mit Max und Can’t Wait Until Tonight ein Interpret einer Casting-Show gewonnen hat?

Jürgen Meier-Beer: Ich bin vom Ergebnis beglückt, denn ein exzellenter Sänger, produziert von einem exzellenten Musiker, hat gewonnen. Der Auftritt war auf hohem Niveau.

“ Wie rechtfertigen Sie denn als öffentlich-rechtlicher Sender die 49 Cent Gebühr für jeden Anrufer?

Diese Gebühr ist Standard. Es ist die niedrigst mögliche Gebühr, zu der man SMS und Festnetz einheitlich anbieten kann. So eine Sendung kostet ja auch viel.

“ Sie sind aber von Gebühren unterstützt und nehmen auch viel ein…

Die Sendung war nicht kostendeckend.

“ Wie fiel die Beteiligung bei der Abstimmung genau aus?

Es haben 2.351.340 Zuschauer angerufen. Das gab es noch nie. Im ersten Wahlgang stimmten von 1.429.889 Anrufern 947.205 für Max (66,24 Prozent) und 106.462 für Scooter. Am zweiten nahmen 921.451 Anrufer teil; 848.219 stimmten für Max (92,05 Prozent), 73.232 für Scooter (7,05 Prozent).

“ Sie haben mit der Show auf ein junges Publikum gesetzt und die ältere Bevölkerung ausgeschlossen. Wie rechtfertigen Sie das vor den Gebührenzahlern?

Da nicht jeder Geschmack international funktioniert und wir einen guten Titel bekommen wollten, sind wir das Risiko eingegangen, uns musikalisch einzugrenzen und einen Quotenrückgang in Kauf zu nehmen. Der internationale Musikgeschmack ist halt der jüngere.

“ Also haben Sie bewusst die Älteren ausgeschlossen?

Es gibt viele Ältere, die sowas gut finden. Für uns ist der Musikmarkt entscheidend.

“ Wenn das so ist, wieso waren dann aber so wenige Songs mehrheitsfähig?

Das würde ich so nicht sehen. Der Siegertitel war nur so übermäßig stark.

“ Sie haben eine Hommage an Ralph Siegel eingebaut. War das nicht eher eine Persiflage?

Die Entscheidung für den Auftritt der Ten Tenors fiel im letzten Sommer, nachdem sich Siegel dem Viva-Verfahren nicht stellen wolle. Es war ein Risiko, einem Siegel-abstinenten Publikum Siegel zu präsentieren. Angedacht war ein frischer Auftritt nicht ohne ironische Brechungen, der aber zeigen sollte, wie gut Ralph Siegel ist.

“ Sie wollten die Sendung verjüngen. Wirkt die junge Musik aber in Verbindung mit dem konservativen Jörg Pilawa, den Ten Tenors und auch mit Peter Urban als Kommentator für den Grand Prix nicht ein wenig unstimmig, wenn nicht gar grotesk?

„Verjüngen“ ist nicht der richtige Begriff. Ich wehre mich dagegen, bei dieser Sendung so sehr auf Altersstrukturen zu setzen. Unser Ehrgeiz ist es, einen Musiker zu finden, der eine breite Unterstützung in diesem Land findet. Wir können daher auf die jungen Zuschauer nicht verzichten, aber das heißt doch nicht, dass man die anderen abschreibt. Alle Menschen sollen angesprochen werden, wir wollen niemand ausgrenzen. Die älteren Zuschauer, die keine Platten kaufen, kann man durchaus gewinnen, fernzusehen. Und einen Titel für den Grand Prix zu suchen, müsste doch jeden interessieren.

“ Hat Max denn überhaupt international eine Chance?

Mit Sicherheit. Er hat große Chancen, denn sein Charts-Erfolg ist ja nicht national geprägt.

“ Aber er wurde von ProSieben gepuscht, oder?

Es war eher ein Zusammenspiel von medialer Aktion und einer starken künstlerischen Substanz.

“ Ist diese Sendung Modell einer neuen Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichem Sender und den Privaten?

Meine Zusammenarbeit war zurückhaltender als die Viva-Kooperation mit dem ZDF beim Comet. Wir haben nur eine Rollenverteilung beschlossen: Viva hat die Titel gesucht, und wir haben das gemacht, was wir am besten können – eine gute Show produzieren. Das war wie ein Reißverschluss.

“ Ziehen Sie daraus Lehren für weitere Unterhaltungsshows?

Die Logik, die zu diesem Verbund führte, kann ich mir im Moment nicht woanders vorstellen.