Wenn Musiker einer erfolgreichen Band ein Soloalbum machen und dabei genauso klingen wie ihre Gruppe, ist das nicht originell, sondern nur langweilig. Zum Glück ist das Nick McCarthy und seinem Seitensprung Box Codax, den er gemeinsam mit Alexander Wagner vor ein paar Jahren zunächst als reines Freizeitprojekt startete, nicht der Fall.
Das liegt an McCarthys musikalischem Werdegang: Er studierte in München drei Jahre lang klassische Musik und steht seit seiner Zeit in der bayerischen Landeshauptstadt in engem Kontakt zu den beiden Betreibern des in der Dance-Szene geschätzten Labels Gomma. 2003 erschien dort das Album „Paradiso“ des Künstler- und Musikerkollektivs Kamerakino, bei dem Nick McCarthy Bass spielte.
Start in Bayern
Also fragte er bei der Suche nach einem passenden Label für das Debüt von Box Codax ebenfalls in München an: „Ich dachte mir einfach, wenn Gomma das Album von Kamerakino herausbringt, dann ist sie auch das richtige Label für Box Codax“, erklärt er. Mit dieser Einschätzung sollte er recht behalten, denn tatsächlich waren die beiden Labelchefs, Mathias Modica und Jonas Imbery, von den ungewöhnlichen Songs auf „Only An Orchard Away“ sofort begeistert.
Mit Box Codax können Nick McCarthy und Partner Alexander Wagner endlich all die Ideen umsetzen, die bei einer Band wie Franz Ferdinand fast zwangsläufig unter den Tisch fallen.
Eigenwillig und Komplex
Statt packender Gitarrenriffs und schneidiger Gesangseinlagen stehen hier schräge LoFi-Pop-Elemente und surreale Texte im Vordergrund. Mit Box Codax verfolgen die beiden Musiker einen komplett eigenständigen Weg. Die um Vergleiche nie verlegene englische Musikpresse feierte „Only An Orchard Away“ denn auch gleich als fiktive Kollaboration von Malcolm McLaren und David Byrne.
Auch wenn diese Einschätzung nur zum Teil zutreffen mag, ist dem Duo eines der eigenwilligsten Debütalben des Jahres gelungen, auf dem Songs wie „Dogs To The Beaches“ oder „I Swam With The Otter“ herausstechen.
Mit den üblichen Stilkategorien kommt man hier allerdings nicht besonders weit. Die Musik von Box Codax ist dazu einfach viel zu komplex: ein wilder Mix aus Pop-, Elektronik- Folk-, Rock-, HipHop- und New-Wave-Elementen.
Alle Jahre wieder
Bis diese Mischung allerdings für ein größeres Publikum geeignet war, dauerte es ein paar Jahre, berichtet Nick McCarthy: „Wir schafften es nur einmal im Jahr an Weihnachten, uns zu treffen und Musik zu machen.“
Entsprechend lange dauerte es auch, bis die beiden die Songs für ihr Debütalbum zusammen hatten – an eine Veröffentlichung ihrer Stücke hatten sie zuerst gar nicht gedacht. „Erst als ich ein paar Freunden unsere Songs vorspielte, die spontan davon begeistert waren, überlegten wir uns ernsthaft, dieses Album herauszubringen.“
Nick McCarthy, der sich vorrangig um die Musik kümmert, während sein Partner Alexander Wagner die Texte beisteuert, ist sich der Eigenwilligkeit von Box Codax durchaus bewusst. „Ich habe sogar mal versucht, unsere Songs ein wenig zugänglicher zu arrangieren – das führte aber zu dem Ergebnis, dass ich alle Lieder zerstört habe. Unsere Songs funktionieren offensichtlich nur in der rauen, skizzenhaften Form, wie sie jetzt auf dem Album sind.“


