Peter Schwenkow: Die Tonträgerbranche hat im Prinzip die Zeichen der Zeit erkannt – aber sie hat noch keine Lösungen entwickelt.
Marek Lieberberg: Die Tonträgerindustrie wirkt angeschlagen, partiell gelähmt. Es fehlt an radikaler Analyse und Selbstkritik, Führung und Perspektive. Es ist die Zeit des großen Zitterns um jeden Job. Keine guten Voraussetzungen für Kreativität. Statt Personal abzubauen, sollte eine strengere Produktauswahl erfolgen und das Risiko bei Garantien reduziert werden. Eine bessere Ausbildung und Qualifikation der Mitarbeiter wäre eine notwendige Investition in die Zukunft.
Reinhold Wöste: Ich habe hauptsächlich mit Koch/Universal und BMG Ariola zu tun. Mit diesen beiden Firmen habe ich überhaupt keine Probleme. Nach meinem Empfinden agieren beide zeitgemäß. Karsten Jahnke: Das kommt immer auf die jeweilige Firma an. Viele haben es inzwischen begriffen. Und Herbert Grönemeyer hat es ja vorgemacht: Man muss nur ein exzellentes Produkt auf den Markt werfen, und schon wird es gekauft.
Berthold Seliger: Es gibt großartige Partner in der Tonträgerindustrie, mit denen man immer wieder Lust hat, zusammenzuarbeiten. Und es gibt die branchenüblichen Schnarchnasen, die nichts kapiert haben. Das war schon immer so, das wird so bleiben. „Die Zeichen der Zeit erkennen?“ Da wird weiter munter getanzt auf dem Vulkan.
Mario Mendrzycki: Die Tonträgerbranche steht durch hausgemachte Probleme, aber auch wegen dem immer schwieriger werdenden Schutz ihrer Rechte vor noch größeren Herausforderungen als die Veranstalterbranche. Die Einsicht ist gereift, dass wieder verstärkt in den Künstleraufbau investiert werden muss. Der Veranstalter-Vorteil ist, dass unsere Live-Acts noch nicht geklont werden können. Die Zusammenarbeit zwischen der Tonträgerindustrie und TME mit den für uns maßgeblichen Künstlern wie Santana und Alicia Keys, Maná, No Angels und Bro’Sis ist konstruktiv und partnerschaftlich.
Dieter Semmelmann: Gerade in schwierigeren Zeiten sollten die Marktteilnehmer aufeinander zugehen, um Synergien zu entwickeln. Die Tonträgerindustrie nutzt leider die Möglichkeiten, die ihr die Veranstaltungsbranche gerade als Marketingplattform bieten kann, leider oft nur unzureichend.
Carlos Fleischmann: Wir arbeiten sehr erfolgreich gemeinsam mit den beteiligten Plattenfirmen an neuen Vermarktungsmodellen und Kompensationsgeschäften unserer Tourneen, hier möchte ich Universal sehr stark hervorheben, die immer interessante Vermarktungsideen entwickeln.
Michael Löffler: Teils teils. Positiv: Einige Plattenfirmen versuchen mit weniger Personal und weniger Budget ihren Job genauso gut wie früher zu machen. Negativ: Einige „Heimat“-Plattenfirmen ausländischer Künstler, denen Überprüfung und teilweise Mitfinanzierung der Tourneebudgets ihrer Künstler obliegt, setzen viel zu selten den Rotstift an. Manche überdimensionierten Ansprüche stehen oft in keinem Verhältnis zur Realität.
Dieter Bös: Mit der Tonträgerindustrie habe ich keine Probleme. Wer die Zeichen der Zeit erkannt hat und was die Zeichen der Zeit sind, das steht noch nicht fest.



