Musik

„Wie haben Sie sich in den vergangenen Monaten die Ticketpreise entwickelt? Ist Vernunft eingekehrt, oder überbieten sich ihre Kollegen immer noch gnadenlos?“

Konzertveranstalter über die Probleme ihrer Branche

Lieberberg: Die deutschen Ticketpreise müssen sich zwangsläufig am internationalen Vergleich orientieren. Amerika und England sind nach wie vor das Maß aller Dinge. Erst wenn in diesen Schlüsselländern endlich eine Ernüchterung eintritt, kann auch hier ein Paradigmenwechsel erfolgen. Grundsätzlich sind jedoch die Grenzen der Eskalation erkennbar, und die weltweite Wirtschaftsflaute wird ihre Wirkung nicht verfehlen. Rockmusik und Vernunft sind leider ein ungleiches Paar.

Jahnke: 80 Prozent der Eintrittspreise sind nicht erhöht worden. Bei den restlichen 20 Prozent gibt es auf Grund der gestiegenen Produktionsansprüche Erhöhungen. Gemessen am europäischen Schnitt liegen die Preise in Deutschland immer noch im unteren Drittel.

Seliger: Es gibt Konzerte, bei denen die Ticketpreise unsinnig und unvernünftig hoch sind. Und es gibt Konzerte, bei denen sich die niedri- gen Ticketpreise angesichts der drastisch gestiegenen Kosten eigentlich nicht mehr rechnen.

Koopmans: Die Preise für die Tickets werden nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt. Das heißt, die Nachfrage bestimmt das Angebot. Daran wird sich nichts ändern. Das hat nichts mit überbieten zu tun.

Mendrzycki: Man kann den Status der Diskussion über die Ticketpreise mit der Anfangsdiskussion in Sachen Umweltschutz vergleichen. Das Bewusstsein bei den Konzertveranstaltern ist geschaffen, die Implementierung der „Vernunft“ lässt sich jedoch auf Grund von Begehrlichkeiten ausländischer Künstler-Vertreter nur schwer ohne deren Entgegenkommen bewerkstelligen.

Wöste: Die Eintrittspreise bei meinen Volksmusik- und Schlagerveranstaltungen liegen zwischen 30 und 50 Euro inklusive der Gebühren. Hier ist jedoch die Schmerzgrenze erreicht, mehr kann ich dem Publikum nicht zumuten. Die Produktionen müssen so kalkuliert sein, dass ich mit den Einnahmen auskomme.

Semmelmann: Auffällig ist, dass der Konsument derzeit bereit ist, bei attraktiven Veranstaltungen auch sehr hohe Preise zu akzeptieren. Das augenblickliche Preisniveau bei vielen Veranstaltungen liegt zum Teil an der Schmerzgrenze, aber letztlich ist es gerechtfertigt, wenn man die Eintrittspreise zum Beispiel im Musical-Bereich sieht.

Fleischmann: Die Ticketpreise in meinem Segment und bei meinen Tourneen halten wir schon seit Jahren im moderaten Bereich. Der Durchschnittseintrittspreis bei Kylie Minogue lag zum Beispiel bei 33,23 Euro, bei Busta Rhymes bei 26 Euro und bei deutschen Künstlern wie den Donots bei elf Euro. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, den Besuchern vernünftige Konditionen für ihre Tickets zu geben.

Schwenkow: Die Schallgrenze bei den Preisen ist zwar erreicht, dennoch versuchen einige Kollegen immer noch, das maximale für den Künstler und nicht für das Publikum herauszuholen – aber es wird besser.

Bös: Ich muss vorausschicken, dass ich kein Tourneeveranstalter bin, sondern als örtlicher Partner arbeite. Insofern habe ich wenig Möglichkeiten, die Preisgestaltung zu bestimmen. Ich beobachte den Trend zu immer höheren Preisen und versuche bei unseren Eigenproduktionen entgegenzuwirken. So hat zum Beispiel das Ticket zu unserem Festival Rock am See 39 Euro inklusive sämtlicher Gebühren – somit auch den kostenlosen Transport zum Stadion mit öffentlichen Verkehrsmitteln – gekostet.

Löffler: Die Ticketpreise sind immer noch überproportional gestiegen, und die Vernunft kehrt nur langsam ein. Die Perspektive ist: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“. Auch wenn einigen börsennotierten Mitbewerbern das Geld langsam knapp wird, wird immer noch gnadenlos überboten. Zum Teil sogar konzernintern. Unsere Perspektive: Wir machen nicht jeden Schwachsinn mit und bauen unser nationales Repertoire stetig aus.