Musik

Wie aus einer guten eine sehr gute Band wird

Blackmail steigert sich von Album zu Album. Mit neuem Produzenten und gestärktem Selbstbewusstsein übertrifft sich die Band mit ihrer neuen CD selbst.

Schon seit langer Zeit agieren Blackmail auf dem so oft beschworenen internationalen Niveau. Nach zwei Alben für Warner, „Bliss, Please“ (2002) und „Friend Or Foe?“ (2003), landete das Quartett um Sänger Aydo Abay jetzt bei City Slang, wo es die bisher beste Platte seiner Karriere ablieferte.

Zwar wiesen auch die letzten Longplayer keine auffälligen Schwachstellen auf, aber an „Aerial View“ kommen sie nicht heran. Mit diesem Album ist der Band endlich der ganz große Wurf gelungen. Denn es steckt voller Hymnen, die trotz aller Eingängigkeit mit vielen unerwarteten Details überraschen und völlig unberechenbar bleiben.

Gestärktes Selbstbewusstsein

Blackmail knüpfen zwar an „Friend Or Foe?“ an, doch für das neue Album haben sie eindeutig bessere Songs geschrieben: „Bei Warner haben wir uns eigentlich sehr wohl gefühlt“, sagt Aydo Abay. „Aber als die Entscheidung anstand, wo unser neues Album erscheinen soll, gab es dort eine Entlassungswelle, von der auch viele Leute betroffen waren, die eng mit uns zusammenarbeiteten. Deshalb haben wir uns erst einmal nach anderen Möglichkeiten umgesehen.“

Über Umwege landete ein Demoband schließlich bei City Slang, und Label und Musiker wurden sich schnell handelseinig. Wie das Album davor entstand „Aerial View“ im bandeigenen Studio, doch diesmal ging es wesentlich entspannter zu: „Wir verspürten nicht so viel Druck wie bei der letzten Platte“, sagt Abay. „Das lag zum einen daran, dass wir durch die Demos, die wir in den Wochen und Monaten vor der Produktion eingespielt hatten, sehr gut vorbereitet waren. Auf der anderen Seite gingen wir mit einem größeren Selbstbewusstsein an die Sache ran.“

Es geht immer noch besser

Blackmail brechen auf „Aerial View“ immer wieder aus ihrem gewohnten Wertesystem aus und verblüffen mit allerlei ungewohnten Zwischentönen. So erklingen zum Beispiel im Titel „Couldn’t Care Less“ mitreißende Bläser, und elektrisierende Moog-Sounds glänzen im Song „Meddlesome“.

Zum ersten Mal in der Bandgeschichte engagierten Blackmail einen Produzenten: Mit Andi Jung aus Berlin verpflichteten die Koblenzer den richtigen Mann für diese Aufgabe. Er ging mit dem nötigen Abstand an die Arbeit heran und kitzelte aus Blackmail jene 20 Prozent heraus, die aus einer guten eine sehr gute Band machen.