Musik

„Wichtig ist, seine eigene Duftmarke zu setzen“

Seit drei Jahren ist Oliver Heidemann Redakteur für die ZDF-Sendung „Lustige Musikanten“. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: steigende Quoten und steigende Marktanteile. musikwoche.de sprach mit dem promovierten Musikwissenschaftler über sein Erfolgskonzept und die Zukunft des Genres.

musikwoche.de: „30 Jahre Lustige Musikanten im ZDF“ – was haben Sie sich für die Jubiläumsgala vorgenommen?

Oliver Heidemann: Ich wollte einen Querschnitt bringen: 30 Jahre volkstümliche Musik und Fernsehen – bis hin zum aktuellen Stand. Ich wollte die heutige Musikszene zeigen, wie auch Erinnerungen aus der Fernsehgeschichte des ZDF. Darum habe ich die ehemaligen Moderatoren eingeladen: Carolin Reiber, Lolita und Elmar Gunsch, die allesamt die Fernsehgeschichte – auch in anderen Genres -mitgeprägt haben. Eine Mischung also aus nostalgischen Elementen und angesagten Schlagern.

mw: Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept der „Lustigen Musikanten“?

Heidemann: Das liegt zum einen am Moderatorenpaar, das in seiner Art sehr menschlich und authentisch rüberkommt. Zum anderen liegt es – wie ich hoffe – an der Mischung der Musikfarben, die wir präsentieren. Die Sparte heißt ja volkstümliche Musik, also volkstümlicher Schlager und Volksmusik. Aber in den letzten zwei bis drei Jahren haben wir uns ein bißchen geöffnet, so gibt es ein, zwei Schlager in jeder Sendung oder zum Beispiel einen Auftritt von André Rieu.

mw: Produzenten und Vertreter der Labels fordern öfter eine Einbeziehung von Pop-Elementen. Werden Sie da mitmachen?

Heidemann: Ich glaube nicht. Ich möchte das zwar nicht pauschal sagen, aber wir bleiben unserer Linie treu. Und ich denke, die Zuschauer schätzen das. Wenn ich sage, dass wir Schlager mit einbringen, dann ist da auch immer ein bißchen Pop dabei. Reine Popmusik allerdings, vor allem englischsprachige, wird voraussichtlich nicht stattfinden.

mw: Wie positionieren Sie „Lustige Musikanten“ im Sender-Kontext?

Heidemann: Als heitere, volkstümliche Unterhaltung, als volkstümliche Musikshow. Also keine Wettbewerbssendung, wie Carolin Reiber sie macht, und auch nicht diese Unterhaltung, wie sie Kollege Heck macht. Ich will damit die große Bandbreite zeigen mit einer klaren musikalischen Basis im deutschsprachigen Repertoire.

mw: Haben Sie schon eine Vision entwickelt, wie die Sendung in zehn Jahren aussehen könnte?

Heidemann: Spannende Frage. Das hängt von der musikalischen Entwicklung ab, die an unserer Show auch nicht spurlos vorbeigehen wird. Und das hängt damit zusammen, wie Sendungen künftig optisch aufgemacht werden. Wie es wirklich weitergeht, weiß ich auch nicht genau. Fest steht aber: Es wird immer Evergreens geben. Und auch die Volksmusik wird weitergehen, weil es sie ja schon seit Jahrhunderten gibt.

mw: Was begegnen Sie dem Vorwurf, Formate wie die „Lustigen Musikanten“ hätten keine Zukunft?

Heidemann: Das ist ein Argument, das ich seit vier, fünf Jahren höre. Wenn wir keine Zukunft hätten, gäbe es uns schon nicht mehr. Ohne Zukunft hätten wir auch keine Gegenwart. Die Zuschauerresonanz spricht da eine ganz andere Sprache. So lange es keine konkurrenzfähigen anderen Musikformate gibt, sind wir immer noch ein ganz großes Reservoir für unsere Zuschauer. So lange wird es die Sendung auch weiter geben.

mw: Sie bringen auch junge Künstler aus diesem Genre in die Sendung. Was tun Sie, um jüngere Zuschauer zum Einzuschalten zu motivieren?

Heidemann: Ich habe in der Jubiläumsgala einen Versuch gestartet, der gewiß nicht formatbildend ist, der sich einfach organisch ergeben hat. Wir haben Ingolf Lück und Annette Frier von der „Wochenshow“ eingeladen, die in der letzten Staffel ihrer Show die „Lästigen Musikanten“ parodiert haben. In der 30-Jahre-Show haben sie einen dreiminütigen Sketch, der wirklich sehr witzig geworden ist. Da bin ich gespannt, wie die Leute reagieren, ob das eine Richtung sein kann. Learning by doing nennt man das wohl. Aber auch durch das Einbeziehen von jungen Bands versuche ich den Altersdurchschnitt unserer Zuschauer etwas zu drücken. Und natürlich auch durch die unterhaltendenden und informativen Elemente unserer Außenproduktionen. Die sprechen ein Publikum an, das nicht nur auf Volksmusik steht.

mw: Seit einiger Zeit wird gemunkelt, dass auch die Privaten TV-Sender wieder auf volkstümliche Formate setzen wollen. Fürchten Sie diese Konkurrenz?

Heidemann: Eigentlich nein. Andererseits wäre es natürlich nicht gut, wenn das Format inflationär käme und wenn sich ähnliche Sendungen um das gleiche Klientel rissen oder sogar in der Prime Time gegeneinander liefen. Wenn das Überhand nehmen sollte, müßten wir natürlich aufpassen. Wichtig ist, dass man sich deutlich von anderen unterscheidet, dass man eine eigene Duftmarke setzt.

mw: Wie verhält sich die Quotenentwicklung seit Sie bei „Lustige Musikanten“ sind?

Heidemann: Als ich anfing, habe ich das Level gehalten und in den letzten zwei Jahren konnten wir einen leichten aber stetigen Anstieg verzeichnen. Das heißt so um die fünf Millionen Zuschauer. Bei der letzten Sendung waren es mehr, da lag der Marktanteil bei 20,7 Prozent. Das gibt es logischerweise nicht jedesmal. Aber über die Entwicklung in den letzten Jahren habe ich mich sehr gefreut.

zur person

Dr. Oliver Heidemann

Geboren am 13. Mai 1964 in Herford

Nach dem Studium der Musikwissenschaften in Münster und der anschließenden Promovierung ging Oliver Heidemann 1990 zum ZDF nach Mainz. Als Redakteur für verschiedene Klassik-Sendungen oder dem „Sonntagskonzert“ sammelte er seine ersten Fernseh-Erfahrungen. Diese konnte er in den Jahren zwischen 1995 und 1999 erweitern, als er für den Norddeutschen Rundfunk Drehbuch und Regie-Arbeit für die Moderatorin Dagmar Berghoff übernahm. Seit 1999 konzentriert sich Oliver Heidemann beim ZDF ausschließlich auf die Redaktion der volkstümlichen Musiksendung „Lustige Musikanten“, die am 28. Oktober ihr 30-jähriges Jubiläum feiert.