“ Viele deutsche Musiker gehen ins Ausland, um ihre CDs aufzunehmen. Was sind die Gründe dafür?
Ausbruch aus dem üblichen Studiotrott ist sicher ein Grund. Meiner Erfahrung nach machen das Bands nicht mit dem ersten Album. Außerdem erhoffen sich manche sicher auch den Einzug frischen, neuen, exklusiven oder extraordinären Windes in ihre Produktion. Meine Erfahrung als Musiker und Labelmensch ist da aber ernüchternd. In nicht wenigen Fällen ist die Rechnung zu hoch und das Ergebnis billig.
“ Worauf legt ein Musiker bei einem Studio am meisten Wert? Welche Voraussetzungen sollte es erfüllen?
Es sollte ein schöner Aufenthaltsort sein. Nett und gemütlich. Nicht zu verdreckt, nicht zu geleckt. Im Produktionsraum sollte geraucht und getrunken werden dürfen. Wichtig ist der Aufnahmeraum, der ja der Raum ist, in dem die Stimmung direkt aufs Band gelangt. Wenn der Vibe nicht stimmt, ist alles verloren. Technik ist sekundär, die ist konfigurierbar.
“ Haben Sie schon „fertige“ Vorproduktionen dabei, wenn Sie ins Studio gehen?
Wenn möglich, sollte man vorher einen ganz guten Plan haben, was im Studio gemacht wird, vor allem wenn der Geldbeutel schmal ist. In diesem Fall muss man sich vorher auch im Detail klar sein, wie man die Vorproduktionen ins Studio einbringen kann, also zum Beispiel über Software-Portierungsmöglichkeiten. Unter Umständen muss man eigene Vorproduktions-Geräte ins Studio mitbringen. Auf diese Art und Weise haben wir bisher alle unsere Platten produziert, bis auf „4:99„, das wir erstmals im eigenen Studio aufgenommen und erdacht hatten.
“ Digital oder analog? Welcher Religionsrichtung gehören Sie an?
Ich kenne mich da nicht so sehr aus, aber meiner Erfahrung nach ist 24bit-digital vom Analogen nicht so weit weg, zumindest was Vokalaufnahmen angeht. Ich vermute mal, das ist in erster Linie eine Frage der Wandler.
“ Trägt sich das Label Four Music mit dem Gedanken an ein eigenes Tonstudio?
Wir sind ein Label und keine Tonproduktionsfirma. Ein Label sucht Künstler und kümmert sich um deren Vermarktung. Es balanciert ständig zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Labels und den künstlerischen Interessen der Künstler. Da wir selber Musiker sind, schreiben wir uns eine hohe Kompetenz zu, was diesen Eiertanz angeht. Und wo gibt’s denn so was, dass sich ein Label in die Musikgenerierung seiner Künstler einmischt? Die sind doch selber groß. Ich bin kein Fan von Tonproduktionsfirmen, weil sie oft das Problem der mangelnden musikalischen Abwechslung innerhalb ihres Repertoires haben. Ein Label braucht Vielfalt und lebt seinerseits auch vom lebendigen Output seiner Künstler.


