Musik

Ween: Unberechenbarkeit ist wieder Trumpf

Mickey Melchiondo und Aaron Freeman alias Dean und Gene Ween zählen zu den unberechenbarsten Musikern der US-Alternative-Szene. Diesen Ruf unterstreicht das Duo auf „Quebec“ eindrucksvoll.

Eigentlich hat sich im Leben der beiden in den letzten Jahren nicht viel verändert. Das Duo hat nach dem Ende des Deals mit Warner zwei Live-Alben über seine Webseite vertrieben und widmete sich sonst ganz dem Komponieren neuen Materials. „Mit ‚Quebec‘, dem ersten Album auf Sanctuary, knüpfen wir wieder an unsere Zeit Anfang der 90er-Jahre an. Bei den Aufnahmen war die Stimmung ähnlich gelöst wie damals“, erklärt Dean Ween. „Als wir das Album in Angriff nahmen, hatten wir noch keinen Vertrag mit einem Label unterschrieben. Das war für uns eine ebenso ungewöhnliche wie inspirierende Situation.“ Als Produzenten verpflichteten sie erneut Andrew Weiss, der bisher die meisten Alben von Ween in Szene gesetzt hat. „Er kennt unsere Arbeitsweise. Warum sollten wir uns mit jemandem quälen, dem wir erst alles erklären müssen?“ Der Kreativität des Duos hat die Pause seit „White Pepper“ (2000) hörbar nicht geschadet. Auf „Quebec“ wechseln die beiden die Stile wie gewohnt von Song zu Song. Klingt der Opener noch stark nach Motörhead, geht es im Anschluss mit lupenreinen Pop-, Folk- und Country-Nummern weiter. „Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir uns diesmal wieder mehr Zeit genommen haben, Songs zu schreiben. ‚Quebec‘ ist wie viele unserer frühen Alben größtenteils zuhause und in diversen Garagen entstanden. Vom Sound her erinnert es natürlich mehr an unsere Frühzeit. Wir haben einfach wieder mehr verrückte Dinge auf die Platte gepackt, und viele Songs klingen auch wieder psychedelischer.“

Dass sie bei Sanctuary einen Vertrag unterschrieben haben, liege an der künstlerischen Freiheit, die das Label ihnen gewährt. „Und wir sind jetzt bei der gleichen Firma wie Lynyrd Skynyrd und die Allman Brothers.“ Dieser Verbindung kann Dean durchaus etwas abgewinnen: „Wir sind eine Kultband, die jedes Konzert ausverkauft. Aber wir werden wohl nie Millionen von Platten verkaufen. Deshalb ist es für uns sinnvoller, statt mit Majorfirmen mit mittelständischen Labels zusammenzuarbeiten.“