Musik

Vote_Quote-Umfrage: Vorsprung für Rot-Grün, aber breite Skepsis

Zu Beginn des Wahljahres standen die Sorgen und Nöte der Musikindustrie kürzlich auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages. Die Ergebnisse der Vote-Quote-Umfrage werfen indes Zweifel auf, ob die Politik wirklich kompetent in Popfragen ist.

Denn exakt die Hälfte der Umfrageteilnehmer trauen derzeit keiner politischen Gruppierung in Deutschland die Lösung der aktuellen Probleme der Branche zu. Vom Rest der Befragten bekommt die rot-grüne Regierungskoalition mit 23,3 Prozent einen deutlichen Vertrauensvorsprung vor der Opposition.

Auch Oliver Sittl, Vice President A&R/Artist Development bei Koch Records, erhofft sich mehr von der derzeitigen Regierung, und macht dies an einer Person fest: „Da die Popmusik inzwischen keine gesellschaftsverändernde Kraft mehr ist, sondern sich in auffälliger Weise den Marktmechanismen der freien Wirtschaft unterworfen hat, ist der Kultur- und Medienminister Nida-Rümelin ein Glücksfall. Seine Rede zeigt Realitätsinn, was die Möglichkeiten der Politik angeht, aber auch kulturpolitische Gestaltungsambitionen, was die berechtigten Interessen der Industrie und die notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der heimischen Kreativszene betrifft. Probleme wie der „digitale Klon“, Fördermöglichkeiten in Analogie zur deutschen Filmförderung (soweit anwendbar) sowie das für den Rest der Welt unverständliche Quasi-Radioverbot für deutschsprachige Titel im Popbereich sind hier erste Stichworte.“

Helena Lind, Inhaberin von The Avalonian Company, meint hingegen, dass es unsinnig sei, auf Hilfe der Politik zu bauen: „Wenn es der internationalen Musikindustrie nicht gelingt, ein Unrechtsbewusstsein beim Konsumenten nachhaltig anzuregen, werden staats- oder parteipolitische Ansätze so wirkungsvoll sein wie Pfeifen im Dunkeln. Um Verständnis zu fördern, sollte man sich vielleicht – angefangen vom Repertoire bis hin zum Image der Companies – den Käufern, ihren Wünschen und Befindlichkeiten nähern, anstatt sich öffentlich zu beschweren oder nach Gesetzen und Verordnungen zu rufen. Wenn den Leuten zum Beispiel beständig suggeriert wird, dass viele Mitwirkende der Musikindustrie in Geld und Weltfremdheit schwimmen, aber in krassem Gegensatz dazu der soziale, existenzielle Wind den einfachen Sterblichen immer kälter ins Gesicht bläst – wen wundert’s, dass ohne moralische Beschwernis von „denen“ genommen wird.“

Thorsten K. Schulz, Geschäftsführer der Agentur medi@promo, sieht die Industrie selbst in der Pflicht: „Der Musikbranche scheinen, bis auf wenige Ausnahmen, die Ideen ausgegangen zu sein, Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Aber die Politik hilft bestimmt, der Verarmung der Musiklandschaft entgegen zu wirken, zum Beispiel durch kartellrechtliche Überprüfungen.“