Musik

Vote/Quote-Umfrage: Echo-Tickets – geht ein Großteil der Branche leer aus?

Die Nachfrage nach Eintrittskarten für den Echo ist Jahr für Jahr größer als das verfügbare Angebot. Allerdings offenbart das Ergebnis der aktuellen Online-Umfrage von musikwoche.de einige unbefriedigte Bedürfnisse der Branche.

Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer kommen nämlich gar nicht an ein Ticket für Deutschlands wichtigsten Musikpreis. Ein Achtel erhält Zutritt über den Arbeitgeber, 16 Prozent lassen ihre guten Beziehungen spielen und sechs Prozent passieren als Medienvertreter die Einlässe. Für einige unserer Leser Anlass zu konstruktiver Kritik.

Jane L. Smith, Inhaberin der TV-Promotion Care Company, findet: „Was konnte ich schon ankreuzen? Zu spät? Kein Interesse? Wohl kaum. Nur leider wird mir keine Möglichkeit gegeben, mich für eine Karte zu akkreditieren. Ich bin seit 30 Jahren im deutschen Musikbusiness tätig. Ich bin kein Journalist. Ich gehöre seit vier Jahren keiner Major Company mehr an, also wird kein Geschäftsführer mir als ‚Incentive“ einen kleinen Ausflug nach Berlin spendieren. Ich betreue keinen der derzeitigen Top-Ten-Künstler und hätte somit als Begleiter ein ‚Anrecht“ auf eine Eintrittskarte zum Echo. Mein Pech? Ich finde nicht.

Denn ich bin der Meinung, ich gehöre noch dazu. Mich interessiert, was in der Musikwelt abgeht, und vielen anderen Freien ergeht es ebenso. Wir haben täglich mit Branchenvertretern zu tun, wir arbeiten für sie und mit ihnen, und warum sollen wir ausgeschlossen sein, wenn es darum geht, die Erfolge der Künstler, die wir ebenfalls auf unterschiedlichste Weise mitgestalten, gebührend zu feiern? Es ist wie bei jedem total ausverkauften Konzert: Zum Schluss gibt es immer irgendwoher ein Ticket, aber wenn der deutsche Musik-Oscar verliehen wird, möchte ich im Vorfeld mein Hotelzimmer buchen und mich auf diesen Event freuen.

Die Phono-Akademie muss doch endlich einsehen, dass sie für freie Mitarbeiter, für Selbstständige, für Manager, für Musiker, die vielleicht derzeit an einem Werk arbeiten und gerade nicht in den Charts vertreten sind, also für alle diejenigen, die ‚dazugehören (wollen)“, ein bestimmtes Kartenkontingent zurückhält. Vielleicht könnte man sich bis zu einem bestimmten Termin akkreditieren, so wie man sich auch für die Popkomm. entscheiden kann oder nicht.

Ich würde mir wünschen, dass diese Umfrage den Organisatoren dieser hochangesehenen Veranstaltung die Augen öffnet und uns eine Einladung, natürlich nicht kostenfrei, ebenso zusteht wie den vielen Mitarbeitern von Major Companies.“

Elke Scherbaum, Geschäftsführerin von Scherbaum ConneXion, ergänzt: „Von den vier dargebotenen Möglichkeiten konnte ich keine ankreuzen. Ich würde schon gerne zur Echo-Verleihung gehen, aber leider gibt es seit sehr langer Zeit für uns Freie keine Möglichkeit mehr, an eine Karte zu kommen. Ganz zu Anfang dieser Veranstaltung wurden wir angeschrieben und eingeladen.

Selbstverständlich mussten wir auch da die Tickets bezahlen, aber um bei solch einem Event dabei zu sein, ist einem nichts zu teuer! Seit einigen Jahren bekommen wir schon gar keine Einladung mehr. Und wenn nicht eine Plattenfirma, mit der man gerade gut zusammenarbeitet oder wo eine gute Freundin sitzt, einen mit einem Ticket bedenkt, kann man nicht an dem Medienereignis Deutschlands teilnehmen. Ich denke auch heute sind Freie Promotionfirmen noch genau so wichtig für die Branche wie früher.“

In ein ähnliches Horn bläst Jörn Güttler, Geschäftsführer von Kuka music&projekt: „Seit Jahren müssen Management oder Promotionfirmen sich bettelnd an die Plattenfirmen wenden, um Karten für die wohl wichtigste Veranstaltung des Jahres zu bekommen. Als immer wichtiger werdender Bestandteil dieser Branche sind es doch gerade diese Firmen, die durch starke Basisarbeit die Plattenfirmen unterstützen. Daher finde ich es eine Zumutung, dass diese Zellen bei einer derart wichtigen Veranstaltung ausgeschlossen werden.“