Die Redaktion wollte wissen: Was halten Sie von Two-Track-CDs? Ergebnis: Fast die Hälfte der User, die sich an der Umfrage beteiligten, finden sie prima und halten sie für ein preiswertes Format. Knapp ein Fünftel sieht darin einen netten Appetithappen, zweifelt aber, ob Two-Tracks zur Marktbelebung ausreichen. Immerhin: Über 30 Prozent sind der Ansicht, Singles lassen sich ohnehin nur schwer verkaufen. Und lediglich sechs Prozent lehnen die Two-Track-CDs komplett ab. Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Meinungen wider, die die Redaktion in den letzten Tagen per E-Mail erreichten:
„Das ist eine gute und unterstützenswerte Idee, wenn der Abgabepreis tatsächlich maximal drei Euro beträgt. Außerdem erinnert das an die gute alte Vinyl-Single, die ja auch zwei Songs geboten hat und nach wie vor Kult-Charakter besitzt. Ich bin auf den Erfolgsverlauf sehr gespannt!“
Stefan Vogelmann Sales Director EFA Medien
„Ich halte die Two-Track-CD für eine gute Idee (zum Beispiel mit A- und der klassischen B-Seite oder alternativ Radio- und Extended Version). Wenn diese durch eine Remix-CD ergänzt wird, kann der Käufer sich entscheiden, welche Tracks er wirklich haben möchte. Preislich sollten die beiden Formate in der Addition etwa dem Preis einer heutigen CD entsprechen. Das hätte außerdem den Vorteil, in der Grauzone der Remixes die Remixer angemessen an den Lizenzen zu beteiligen, weil die Zuordnung, welche Mixe der Käufer wirklich haben will, sehr deutlich wird. Außerdem bestünde die Möglichkeit, nicht gleich von vornherein teure Remixes zu machen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden, sobald man die ersten Reaktionen auf den Titel kennt. Gegebenenfalls könnte man darüber hinaus die Verweildauer eines Titels in den Charts verlängern, was sicher im einen oder anderen Fall dem Künstler helfen würde.“
Rudy Holzhauer Progressive Musikverlag
„Ich finde die Idee toll, weil erstens die Kaufschwelle für interessante Tracks deutlich fällt, zweitens wirklich nur das bezahlt wird, was die meisten Käufer wollen, nämlich die Single-Version eines Tracks, und drittens wird mit Two-Track-CDs oder auch dem 99-Cent-Download-Angebot endlich das Argument derer geschwächt, die illegale Downloads damit rechtfertigen, dass die böse Industrie ihnen immer 20 Euro für ein Album abluchsen will, auf dem dann doch nur ein guter Track ist. Das Problem ist: edel hätte dieses Projekt vielleicht erst einmal mit dem Handel klären sollen, bevor in etlichen Interviews die Two-Track-Single zum Preis von 2,99 Euro angekündigt wurde. In meiner lokalen Karstadt-Filiale (Celle) gibt es zum Beispiel die oft erwähnte Two-Track-Version von ‚Meer sehn‘ überhaupt nicht, und wenn man sie bestellen will, steht im Computer als VK-Preis 4,99 Euro. Erinnert mich stark an die Situation Mitte der 90er-Jahre, als vereinzelt Two-Track-Singles mit einer Preisempfehlung von 7,99 Mark auf den Markt kamen: Der CD-Laden, in dem ich damals jobbte, freute sich einfach über den günstigen EK-Preis und verkaufte die Two-Tracks zum gleichen Preis wie Maxis.“
Michael „Vogel T.“ Teuber Songwriter
„Die Idee ist ja nicht neu, oder besser gesagt: Two-Track-CDs nun auch hier in Deutschland zu präsentieren und an das Volk zu bringen, ist neu. Die gute 7″-Single, die uns seit den späten 40er- bis Anfang der 90er-Jahre begleitet hat, war nie etwas anderes. Es gab die A-Side mit dem Haupttitel, und auf der B-Side gab es die Instrumental-Version oder einen zweiten Track. Wenn ich einen Musiktitel kaufen möchte, weil mir der Titel in TV und Radio präsentiert wurde und er mir gefällt, dann möchte ich auch diese Version kaufen, mit der man mich darauf aufmerksam gemacht hat, und keine sechs Minuten Mixe und Remixe. Preislich gesehen ist das Angebot von 2,99 Euro ein weiterer Schritt nach vorn. In den späten 80er- bis in die 90er-Jahre hat man das bezahlt. Nun nach über zehn Jahren für den gleichen Preis bessere Qualität, ein kleineres und handlicheres Format zu erhalten, ist doch okay. Stellen Sie sich vor, Sie könnten heute für den Preis von vor zehn Jahren tanken, dabei im Auto sitzen bleiben und würden noch die Windschutzscheiben gesäubert bekommen. So sehe ich das Preisleistungsverhältnis der Two-Track-CD.“
Dirk Witthuhn Music Control – Musikanalysen Airplay
„Ich halte die Meinung von Herrn Wessendorf (HAMM) für absolut kurzsichtig. Vor dem Hintergrund sinkender Maxi-CD-Verkäufe und angesichts der allgemeinen Kaufzurückhaltung seitens der Verbraucher sollte der Handel jede Chance ergreifen, die CD-Verkäufe zu stimulieren. Seit der Einführung des Euro sind die Maxi-CD-Preise spürbar gestiegen. Ich bin davon überzeugt, dass viele potenzielle Kaufinteressenten bei der Two-Track-CD zum ermäßigten Preis zugreifen werden. Momentane Umsatzverluste gleichen sich mittelfristig mit Sicherheit wieder aus.“
Herbert R. Kollisch Geschäftsführer Musica Schallplattenvertrieb



