Musik

Vote/Quote-Umfrage: Die Mehrheit fordert ein Musikexportbüro

Selten hat eine Vote/Quote-Umfrage so viele Reaktionen hervorgerufen wie die Frage: „Braucht Deutschland ein Musikexportbüro?“. Das Ergebnis ist eindeutig: 67,4 Prozent der Umfrageteilnehmer sagen ja, 32,6 Prozent lehnen die Einrichtung ab. musikwoche.de dokumentiert in Auszügen die interessantesten Wortmeldungen.

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Margit Sarholz, Verlagsleitung Sternschnuppe Verlag: „Wir sind für eine konzertierte Aktion: Majors und Verlage, GEMA, GVL, Indies und die öffentliche Hand sollten die Finanzierung und den Betrieb eines Exportbüros gemeinsam regeln, damit wir auf dem internationalen Markt nicht verdrängt werden.“

Kent Nielsen, Managing Director Twah!: „Wir sind alle Wettbewerber, egal ob es uns gefällt oder nicht – aber trotzdem wäre es eine gute Idee, ein Exportbüro unter Führung des VUT zu gründen.“

Helmut König, Labelmanager Thorofon, Mitglied des Vorstandes der deutschen Landesgruppe der IFPI: „Eine Förderung des deutschen Musikexports ist dringend zu wünschen. Dies betrifft allerdings in ganz besonderem Maße die so genannten ‚Independents“ sowohl im Bereich der Klassik als auch der Pop-Musik. (…) Ohnehin stammen die deutschen Innovationen der letzten Jahre vor allem aus dem Bereich der rund 600 Independents, die aber im einzelnen wegen ihrer Firmengröße nur beschränkt in der Lage sind, tatkräftig für den Export zu sorgen. Gerade hier hätte ein Musikexportbüro eine außerordentlich wichtige und integrierende Funktion. Dabei muss zugleich erkannt werden, dass der Export musikalischer Klassik strukturmäßig andere Wege suchen muss als der Export populärer Musik. (…) Deutschland braucht ein Musikexportbüro vornehmlich für die Independents der Popmusik und der klassischen Musik.“

Burkhard Schlothauer, Inhaber Timescraper Music Publishing: „Es liegt mir fern, in ein nationales Horn zu blasen, aber ich bin der Meinung, dass alle Bemühungen, kulturelle Vielfalt trotz Globalisierung zu erhalten, sich lohnen würden.“

Christian Kessler, Inhaber Poets Club Records: „Ich denke, dass (gerade kleinere) Labels ohne einen umfassenden Export gar nicht überlebensfähig sind. Obwohl der gesamte Weltmarkt krankt, sind die rückgängigen Absatzzahlen in Deutschland am dramatischsten. Ein Musikbüro ist mehr als nur sinnig.“

Christian Mörken, A&R/Marketing Manager OK Visions Entertainment/ Tru Note Records: „Ich bin kein Freund weiterer Bürokratisierung und finde es eigentlich auch beschämend, dass sich die deutsche Musikwirtschaft in eine Situation gebracht hat, in der wir nach einem ‚Exportbüro“ rufen, damit wir unsere Produktionen ins Ausland bekommen. Aber für einige kleinere Labels ist dies mit Sicherheit eine sinnvolle Institution beziehungsweise könnte es sein.“

Peter F. James, President VUT – Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen: „Jawohl – obwohl die Fragestellung falsch ist. Richtig muss es heißen: ‚Brauchen die deutschen Independents ein Musikexportbüro?“ Da rund 93 Prozent des Welt-Tonträgermarkts im Ausland liegen und der Rest dahinsiecht: Selbstverständlich! (…) Das Ausland macht es uns vor: Die Exportbüros unserer europäischen Nachbarn sind nicht mehr zu übersehen und machen uns zusätzlich das Leben schwer: ein weiterer Grund für ein deutsches Exportbüro! Wer“s immer noch nicht versteht, mag sich daran erinnern, wie weiland ein gewisser Herr Schröder am Tor rüttelte. Wir wollen auch rein – in die ausländischen Märkte. Oder wollen wir nur raus aus dem kaputten Inlandsmarkt Deutschlands?“