Musik

Vote/Quote: Mittel für Innovationen

Privatinvestoren finanzieren Musikprojekte: Was im TV- und Filmbereich funktioniert, soll auch dem Musikbusiness auf die Beine helfen. musikwoche.de fragte, was die Branche von Musikfonds hält.

Rund zwölf Prozent aller Teilnehmer an der Online-Umfrage hielten Risikokapitalfonds für ein „wichtiges Fördermittel“, gut 15 Produzent für eine „gute Idee“. Jeder fünfte Teilnehmer fand, das sei zumindest einen Versuch wert. Ein gutes Drittel indes sieht in einem Fonds ein „zu großes Risiko“, und weitere 21 Prozent behaupten: „no risk, no fun“. Zu den positiv gestimmten Votern zählt Wolfgang Johannßen, Geschäftsführer Speicherstadt Musikproduktion. Er betont: „Generell ist es einen Versuch wert, aber auch nicht mehr. Eine der Ursachen für die Misere in der Musikindustrie begann mit dem Schlucken individueller, erfolgreicher Labels durch Major Companies und die Umwandlung in die Unternehmensform AG. Der kreative Motor eines solchen Labels wird durch den permanenten und kurzfristigen Erfolgsdruck, den die Investoren oder Aktionäre ausüben, abgewürgt.

Der Aufbau von kreativen Potenzialen erfordert Zeiträume, die heute nicht mehr gefragt sind – siehe die aktuelle Situation in der Branche. Beispiele für solche ‚abgewürgten Labels‘ gibt es genug, als prominentestes sei hier A&M genannt. Bleibt die erwünschte Rendite aus, veröffentlicht die Company Massenware, stellt den Handel voll – und bremst somit mittelfristig den Musikkonsum. Nichtsdestotrotz bleibt ein Hit ein Hit, aber diesen unter Druck zu etablieren, wird nicht funktionieren.“ Wenn man den Investoren diese besondere Situation plausibel erklären könne und sie die nötige Geduld mitbringen, so Johannßen, könnte ein Risikokapitalfonds funktionieren.

Auch Frank Pagenkemper, Geschäftsführer MFP Tonträger, hält „diese Möglichkeit der Finanzierung neuer Ideen in der Musikbranche“ für ein taugliches Mittel, um Innovationen hervorzurufen. „Dabei ist es aber von entscheidender Bedeutung, dass ausschließlich seriöse Zuteilungskriterien als Grundlage gesetzt werden. Zudem sollte ein solcher Risikofonds nicht allein auf der Produktionsseite angesiedelt werden, sondern ganz besonders auch auf der Handelsseite.“ Schließlich sei ein wesentlicher Grund der deutschen Umsatzflaute in der Struktur der Handelslandschaft zu suchen: „Viele Menschen sind inzwischen systematisch vom Kauf von Musik entwöhnt worden, weil es zu wenig Fachhandel mit Beratungskompetenz gibt.“