Der Werdegang von Karlheinz Kögel liest sich wie der Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Geboren 1946, machte der Sohn des CDU-Bürgermeisters von Waldshut zunächst einmal eine Schreinerlehre, nachdem er die Schule abgebrochen hatte. Auf dem Abendgymnasium holte er dann das Abitur nach und studierte Betriebswirtschaftslehre, bevor er sich für ein Volontariat beim Südwestfunk in Baden-Baden entschied. 1970 wurde er dort Moderator beim legendären „PopShop“.
Anfangs saßen die Mitarbeiter im Keller
„Es waren einfach sechs gute Jahre“, erinnert sich Kögel. „Noch heute sprechen mich Leute darauf an.“ Betagteren Radiohörern aus dem Südwesten der Republik klingt seine sonore Stimme mit dem dezenten Zungenschlag des Südschwarzwälders vermutlich noch immer in den Ohren. In seiner Zeit als Musikredakteur bei SWF3 lernte Kögel die Branche gut genug kennen, um sich ein paar grundlegende Gedanken über das System der Hitparadenerhebung zu machen und über die seltsam irrationale Faszination, die eine allwöchentliche Chartliste auf leidenschaftliche Musikfreunde ebenso wie auf kühl kalkulierende Marketing- und Verkaufsmenschen ausübt.
Und so kam ihm eine glänzende Geschäftsidee: Mit 40.000 geliehenen Mark gründete er 1976 seine Firma Media Control. Im September 1977 erstellte diese die ersten Hitlisten mittels Fragebögen. Außerdem ermittelte Media Control die Zahl der Rundfunkeinsätze der Songs: Anfangs saßen die Mitarbeiter in einem Keller in Baden-Baden vor den Radiogeräten und schnitten rund um die Uhr die Programme mit, um herauszufinden, welcher Sender welchen Titel wann spielte. Später erleichterte dann eine in Europa einmalige Computertechnik die Überwachung aller Rundfunk- und Fernsehprogramme in Deutschland. „Im Januar 1997 wurde die papierlose, fragebogenfreie Computerzeit eingeführt – mit exakten, täglichen Verkaufszahlen direkt aus 1200 Kassen“, erinnert sich Geschäftsführerin Ulrike Altig.
Media Control ist nach wie vor das Herzstück von Kögels Firmengruppe; mit 20 Mitarbeitern erwirtschaftet diese älteste Abteilung des Konzerns 25 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Hinzu kommen unter anderem noch die Töchter www.chartradio.de und Radio Control. Media Control legt großen Wert auf Neutralität und beschränkt sich auf die Analyse der Daten. Auf Kögels Rechnung geht auch der Deutsche Medienpreis, den er 1992 ins Leben rief, „um über alle politischen Interessen und Medienkonglomerate hinweg eine Auszeichnung für Persönlichkeiten zu schaffen, die in einem Jahr die Gesellschaft oder die Politik prägend beeinflusst haben“, so die offizielle Beschreibung.
Die letzten Preisträger waren Rudolph Giuliani (2001) und Gerhard Schröder (2000). Ein weiteres wirtschaftliches Standbein der Unternehmensgruppe ist der Touristikkonzern l’tur. Fast nebenbei begann der leidenschaftliche Pilot Kögel, der sich mit seinem Firmenjet auch schon mal eine Woche lang als Privatpilot von US-Präsident Bill Clinton betätigte, mit der Vermarktung von Reisen nach Südamerika und erkannte dabei, dass es rentabler ist, Restplätze unter Preis zu verkaufen, als sie leer zu lassen.
303 Millionen Euro Umsatz mit l’tur
Und mit diesen Last-Minute-Reisen traf er den Puls der Zeit: Mittlerweile hat Kögels Reiseunternehmen mehr als 600 Mitarbeiter im In- und Ausland und macht 303 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Kögel ist Vorstandsvorsitzender und hält auch 44 Prozent der l’tur-Aktien. Trotz des Erfolgs blieb der Unternehmer seiner Heimat Baden-Baden immer treu. Er ist seit 1986 verheiratet und hat drei Kinder.
Mehr als nur Charts: das Leistungsspektrum
Media Control ermittel neben den Top 100 der Musik-Charts noch die „Focus“-Hitlisten, Games-/CD-ROM-Charts, Video-/DVD-Charts, Buch-Charts und TV-Hitlisten. Beim Airplay werden rund um die Uhr die Programme von 700 Radiostationen analysiert. Mit TV-Spot Control wertet die Firma jährlich über 2,5 Millionen Spots aus, und sie liefert schließlich auch TV-Quoten.



