Musik

Visionen eines schüchternen Genies

Er hat George Clinton begleitet, mit Prince gearbeitet und Seal akustisch unterstützt. Doch jetzt macht Amp Fiddler sein eigenes Ding.

An Erfolg im klassischen Sinn ist Amp Fiddler nur bedingt interessiert. Der Musiker ist nicht bereit, seine musikalischen Visionen kommerziellen Interessen unterzuordnen. Entsprechend eigenwillig klingt auch sein Debütalbum „Waltz Of A Ghetto Fly„. Bereits mit Singles wie „Basementality“ (2002) und der „Love And War EP“ (2003) sorgte er in einschlägigen Kreisen für helle Aufregung.

Mit seinem ersten Album spricht er aber nicht nur Clubmusik-Experten an. Dazu sind die 13 Songs stilistisch viel zu breit gefächert. Da finden sich Anklänge an frühe Prince-Werke friedlich neben lässigen Funk-Grooves und sanft dahingleitenden Harmonien.

„Die Erfahrung, die ich in den vergangenen 25 Jahren als Musiker sammeln konnte, spiegelt sich natürlich in gewisser Weise auch in meinen Kompositionen wider. Ich versuche aber nie, jemand anderen zu kopieren. Einer der Gründe, warum ich mich erst so spät dazu entschlossen habe, auf eigenen Füßen zu stehen, war meine Schüchternheit. Erst als ich die überwunden hatte, war es mir möglich, selbst Musik zu schreiben.“

Immense Erfahrung zählt

Amp Fiddler hat in seiner Laufbahn nicht nur George Clinton begleitet, er arbeitete auch mit Prince, The Brand New Heavies, Was Not Was, Seal, Maxwell und Fishbone zusammen. Und aus diesem immensen Erfahrungsschatz speist sich nun „Waltz Of A Ghetto Fly“.

„Der Anstoß, eine Platte unter eigenem Namen herauszubringen, kam von einem Manager meiner Plattenfirma. Es ist einfach, Songs zu schreiben, wenn man jemanden hat, der sie weltweit veröffentlicht. Die Motivation ist um ein Vielfaches größer, da man sich nicht um all die geschäftlichen Dinge kümmern muss. Ich habe einen solchen Anstoß gebraucht.“

Geholfen hat sicher auch, dass Musiker und Produzenten wie Kenny Dixon Jr., Jay Dee und sogar George Clinton mitwirkten, der es sich nicht nehmen ließ, für ein kurzes Gastspiel persönlich im Studio vorbeizuschauen. „Es ist sehr inspirierend, mit Leuten zu arbeiten, die zum Teil auf ganz andere Erfahrungen als ich selbst zurückgreifen. Man weiß nie, was am Ende dabei entsteht.“

Komplex und dennoch zugänglich

Trotzdem klingt „Waltz Of A Ghetto Fly“ wie aus einem Guss. Amp Fiddler ist es gelungen, seine Visionen so zu bündeln, dass die Songs trotz aller Vielschichtigkeit extrem zugänglich bleiben. „Das ist ja gerade die Kunst, komplizierte Strukturen so zu verbergen, das sie für Außenstehende ganz simpel erscheinen.“ In einem klassischen Club wird man seine Musik trotzdem nur selten hören, dazu sind die Melodien und Beats in Stücken wie „If You Can’t Get Me Off Your Mind“ oder „I Believe In You“ über weite Strecken einfach zu filigran.

Das stört Amp Fiddler aber nicht weiter: „Ich würde meine Tracks nicht unbedingt in einen Clubkontext einordnen.,Waltz Of A Ghetto Fly‘ lässt sich genauso gut zu Hause anhören wie mit ein paar Freunden zusammen in irgendeiner Lounge. Für mich ist eine Platte erst dann richtig gut, wenn es dir gelingt, eine universell gültige Musiksprache zu entwickeln, die nicht bereits an den kleinsten Hindernissen scheitert.“