Zwar wurden die stilistischen Quellen, aus denen sich „Salt“ speist, bereits tausendfach von anderen Musikern und Künstlern verwendet. Arto Lindsay gewinnt ihnen trotzdem etwas Neues ab.
Der in Rio geborene Musiker, der Ende der 70er-Jahre mit seiner legendären Band DNA den No-New-York-Sound mitbestimmte, hat sich im Lauf der Jahre zu einem Musikbotschafter der ganz besonderen Art gewandelt. Es gibt nur wenige Musiker, die so offen für neue Klänge und Rhythmen sind wie er.
Auch diesmal hat er wieder mit Musikern wie Bassist Melvin Gibbs sowie den beiden Produzenten Kassin und Berna Ceppas zusammengearbeitet. „Ich halte mich sehr gern in Brasilien auf,“ erklärt Arto Lindsay im Gespräch mit kino.de. „Für mich ist Rio inzwischen eines der wichtigsten Musikzentren auf der Welt. Die Musikkultur dort ist eine nie versiegende Inspirationsquelle.“
Der Sound zum Karneval in Rio
Das Ganze hat ihn so nachhaltig begeistert, dass er dieses Jahr sogar erstmals mit einem eigenen Wagen an einer Karnevalsparade teilgenommen hat. „Einige Songs auf dem Album habe ich sogar extra für die Parade geschrieben. Mir war klar, dass wir ein paar eigene Stücke mitbringen müssen, um gegen die Konkurrenz zu bestehen.“
Ende des vergangenen Jahres nahm sich Arto Lindsay vor, sich 2004 nur auf das neue Album und die Parade zu konzentrieren. „Wahrscheinlich werden wir von unserem Auftritt dort auch eine DVD herausbringen. Der Karneval ist eine so außergewöhnliche Sache, dass ich sogar jetzt noch davon schwärme. Wir hatten 30 Schlagzeuger und Perkussionisten verpflichtet und auf drei Wagen verteilt. Das hat einen gewissen Eindruck hinterlassen.“
Art Lindsays Leben ist untrennbar mit der Musik verbunden; auf jeder seiner Soloplatten seit dem Ende von DNA und der Ambitious Lovers hat er sich Stück für Stück weiter in diesen brasilianischen Musikkosmos vorgearbeitet. Und er erzielte immer überzeugendere Ergebnisse.
Das „Salt“ in der Suppe
Bereits das 2002 erschienene Album „Invoke“ war in dieser Hinsicht ein Meilenstein. Mit „Salt“ übertrifft er sich nun abermals. „Für mich war es eine besondere Herausforderung, Songs zu schreiben, die sowohl auf dem Karneval funktionieren mussten, wo jeder Track den ganzen Tag lang wiederholt werden, als auch auf dem Album, wo ganz andere Maßstäbe angelegt werden. Es war eine sehr interessante Erfahrung, die viel Zeit erforderte. Dadurch bin ich mit den Aufnahmen in Verzug geraten. Die Gesangsspuren habe ich deshalb über das Internet nach New York geschickt. Dort wurden sie dann gemischt und mir als MP3-File wieder zurückgeschickt, sodass ich jederzeit Korrekturen an der Lautstärke oder den Effekten vornehmen konnte.“
Üben ist Zeitverschwendung
Ganz zufrieden war er mit der Arbeitsweise diesmal zwar noch nicht, sagt er, aber für die Zukunft könne er sich durchaus vorstellen, erneut auf diese Weise zu arbeiten.
„In fünf Jahren wird man sich den gerade in New York erstellten Mix in Rio wohl zeitgleich über das Internet anhören können. Dann ist es völlig egal, an welchem Ort der Welt man sich befindet, um zusammen Musik zu machen.“
Arto Lindsay kann bis heute keine Noten lesen und hat auch nicht vor, es noch zu lernen. „Neben meinen Soloalben beschäftige ich mich noch immer sehr stark mit improvisierter Musik, die durchaus an meine Zeit mit DNA erinnert. Es gibt so viele Musiker, die exzellent auf der Gitarre spielen können; da ist es doch nur Zeitverschwendung, sich selbst damit abzumühen.“


