Musik

Virgin: Offensive auf lokaler Ebene

Der Nachschub an Produkten aus den USA gerät derzeit ins Stocken Deshalb setzt Virgin Records Germany verstärkt auf einheimische Bands und Künstler.

Der Hard“n“Heavy-Bereich von Virgin zeichnet sich im Frühjahr 2002 durch eine deutliche Zweiteilung aus: Während im nationalen Bereich die Sektkorken knallen, fließt international nur Selters. Von den deutschen Gruppen konnten immerhin Blind Guardian mit „A Night At The Opera“ eine Top-5-Platzierung feiern. „Wenn man sieht, dass der Markt rückläufig ist, dann sind die Zahlen ziemlich gut“, findet Managing Director Gregor Stöckl. „Wir sind zufrieden, auch wenn das Album den Umsatz des Vorgängers noch nicht erreicht hat. Mit dem Album standen wir in Griechenland auf Platz 1 und konnten uns in Spanien unter den Top 10 platzieren. Die Band wird im kommenden Jahr durch die ganze Welt touren, da geht noch einiges.“

Die Böhsen Onkelz, ein weiterer Top-Act der deutschen Virgin im harten Sektor, eroberten mit „Dopamin“ auf Anhieb die Spitze der Charts. „Meines Wissen sind die Onkelz die erfolgreichste deutsche Rockband, und auch die Umsatzzahlen des neuen Albums sind ziemlich okay“, meint Stöckl. Weniger rosig dagegen sieht es mit dem Nachschub hochkarätiger Produkte aus dem Ausland aus: „In den USA hatten wir bei Virgin eine Schwäche, in diesem Genre kam relativ wenig“, klagt Stöckl. Immerhin steht nun definitiv fest, dass es ein neues Album von A Perfect Circle geben wird, dem Nebenprojekt des Tool-Sängers James Maynard Keenan.

Von den diversen Sublabels bei Virgin wird, nach Einschätzung des Managing Directors nur Immortal zwei Newcomer veröffentlichen: Die Nu-Metaller No One sowie die Alternative-Rocker 30 Seconds To Mars. Höhere Erwartungen stellt die Virgin freilich an ihr Eigengewächs J.B.O.: Von den fränkischen Comedy-Rockern erhofft sich Stöckl eine sechsstellige Verkaufszahl. Produktmanager Stefano Corti meint dazu: „Am Konzept von J.B.O. wird sich nicht viel ändern, aber in musikalischer Hinsicht sind sie reifer geworden. Die eisenharten Fans werden dieses Album ohnehin kaufen Doch die Frage ist, wie erreichen wir die neue Generation von Jugendlichen? Da werden wir uns marketingmäßig einiges einfallen lassen.“ Angesichts der unsicheren Versorgung durch den amerikanischen Virgin-Ableger planen die Münchener, verstärkt heimische Acts unter Vertrag zu nehmen. „Lokal werden wir aktiver werden“, kündigt Gregor Stöckl an. „Wir haben bereits heute einige vielversprechende Themen auf dem Tisch liegen.“