Nach dem Aus für den Bochumer Großhändler Rimpo 1983 musste sich Volker Quandte einen neuen Job suchen. „Es war eine gute Zeit für Berlin, weil andere Läden, die sich um Importe kümmerten, nachgelassen hatten. Trotzdem hatten wir schwer zu kämpfen“, blickt er zurück. Von Beginn an nutzten er und seine damalige Geschäftspartnerin Ina Rüberg ihre guten Kontakte nach England und Amerika, Schwerpunkt war „Song-orientierte Musik, die im ‚New Musical Express“ und ‚Melody Maker“ auftauchte“, so Quandte.
„Heute ist unser Angebot breiter und der Import-Anteil geringer, weil die Wechselkurse sich ungünstig entwickelten.“ Als gute Wahl entpuppte sich laut Quandte der einprägsame Name. „Damals gab es eine New Yorker Performance Group, das Squat Theatre. Das hatte ein Stück namens ‚Mr. Dead And Mrs. Free“ mit Musik von Talking Heads, Nico und Material, das fanden wir schwer hip“, erinnert sich der Gründer. Inzwischen teilt sich Quandte die Arbeit mit seinem neuen Teilhaber Tim Schneck.
Das Hauptgewicht des Fachgeschäfts liegt immer noch auf Vinyl, auch wenn der Anteil an CDs inzwischen gestiegen ist. „Früher hatten wir fast kein Backprogramm, heute bemühen wir uns, die coolen wichtigen Sachen da zu haben. Gerade für junge Menschen ist es schwierig, einen Überblick zu entwickeln. Ihnen versuchen wir zu helfen.“ Auf 40 Quadratmetern führt Mr. Dead And Mrs. Free außerdem Bücher, Zeitschriften, Videos und einige Kisten mit Second-Hand-Vinyls.
Mit der wirtschaftlichen Situation ist Quandte zufrieden. „Seit zehn bis zwölf Jahren ist der Umsatz relativ konstant mit einer leichten Tendenz nach oben.“ Lange Jahre arbeitete der Songexperte nebenbei als Disc Jockey. Inzwischen fungiert er sonntags als Musikredakteur bei Radio eins. „Das hilft mir, vom rein Merkantilen wegzukommen“, sagt Quandte. Als Marketing-Maßnahmen erarbeiten Quante und Schneck Listen mit Verkaufsempfehlungen. Jede Woche schlagen beide je eine Platte vor, am Ende des Jahres gibt es eine Jahres-liste, die ihre Kunden durchaus ernst nehmen. An der Theke und im Internet liegen ferner Listen mit Neuerscheinungen aus.
Neben dem Internet bezeichnet Quandte als effektivstes Mittel jedoch „das Handzettelverteilen bei Konzerten“. Ein wenig erinnert das Geschäft an „Championship Vinyl“ aus Nick Hornbys Erfolgsroman „High Fidelity“. Ein Eindruck, den Quandte teilt: „Als ich das Buch damals las, dachte ich:,Hey, den Mann kann ich gut verstehen!““


