Die DVDplus bietet dem Verbraucher zwei Produkte in einem: Eine DVD und eine CD auf nur einer Scheibe. In der Produktion wird eine übliche CD mit der Halbseite einer DVD 5 verklebt. Um Kompatibilitätsprobleme so weit wie möglich zu reduzieren, hat der Duplizierer Sonopress, der die weltweit exklusiven Vermarktungsrechte an dem Format hält, eine dünnere CD entwickelt.
DVDplus ist auf fast allen gängigen und am Markt erhältlichen DVD-Geräten und -Laufwerken abspielbar. In der nahen Zukunft kann sich Dieter Dierks vorstellen, dass die DVDplus in verschiedensten Bereichen eingesetzt wird. „Eine Möglichkeit wäre, auf CD-Audio- oder CD-ROM-Formaten die bisher unbespielte Rückseite zu nutzen, um junge, unbekannte Künstler zu promoten.“ Dasselbe gelte für Singles-DVDplus, die es derzeit noch nicht gebe. Außerdem könne der Backkatalog noch einmal ausgewertet werden. „Konzerte wie beispielsweise ‚Woodstock“, die Geschichte gemacht haben, würden sich Fans und Sammler auf DVDplus wieder kaufen“, ist sich Dierks sicher.
Weiteres Potenzial sieht Dierks bei Compilations: „Eine ‚Bravo Hits“ würde sicherlich noch größeren Absatz finden, wenn sie zusätzlich Musikvideos bietet, speziell wenn diese Viva und MTV abgelehnt hätten und sie somit exklusiv auf DVDplus erhältlich wären. Premiere feierte das Format vor zwei Jahren auf der Popkomm. Dieter Dierks, MAWA und Sonopress veröffentlichten damals in Zusammenarbeit „Caught in the Act“ von der gleichnamigen Band. Die nächsten größeren Projekte waren „Herbert Grönemeyer – Stand der Dinge“ und in den USA „Blair Witch Projekt 2“. Ende August waren 40 Titel auf DVDplus auf dem Markt erhältlich.
Zu den Auftraggebern zählten unter anderem MAWA, BMG, EMI, Drakkar und Classic Pictures. Die letzten beiden größeren Produktionen, „Die Toten Hosen – Live in Buenos Aires“ und „Nightwish – Over the Hills“ eroberten die Musik-DVD-Charts im Sturm. Nach Angaben von Dierks sollen allein in diesem Jahr noch 30 bis 50 Produktionen auf DVDplus herauskommen.
Dierks glaubt an „sein“ Format: „Auf der DVDplus kann ich DVD und CD gekoppelt bringen und damit Exklusivität und einen Sammlerwert schaffen.“ Wenn man die hohe Haushaltspenetration mit CD-Playern berücksichtige, biete sich für DVDplus ein „gigantischer Markt“ an, so Dierks. Dem Argument, dass man mit einer DVDplus zwei Einnahmenquellen auf eine reduziere, entgegnet Dierks: „Ich glaube, dass der Konsument heute nicht mehr bereit ist, 30 Mark für eine CD und noch einmal 50 Mark für eine DVD auszugeben.“


