Musik

Victor Worms, ZDF-Unterhaltungschef: „Comet als Musikpreis etablieren“

Vor seinem Wechsel als Geschäftsführer zur Agentur Dolce Media, einem Joint Venture der Gottschalk-Brüder mit dem ZDF, und seiner neuen Tätigkeit als Executive Producer von „Wetten, dass…?“ betreute Victor Worms als ZDF-Unterhaltungschef zum dritten Mal die Zusammenarbeit von ZDF und Viva beim Cometen. musikwoche.de fragte nach, welche Ziele das ZDF bei der Kooperation mit Viva verfolgt.

musikwoche.de: Welchen Stellenwert nimmt der Comet für das ZDF ein?

Victor Worms: Wir versuchen ja bekanntermaßen, bei den jüngeren Zuschauern einen Fuß in die Tür zu setzen, was eine zeitlang vom ZDF vernachlässigt wurde. Dafür bietet eine Kooperation mit Viva eine gute Möglichkeit. Und zum zweiten ist natürlich der Ehrgeiz da, mit der Kraft, die Viva in der ganz jungen Zielgruppe hat, und mit unserer Stärke bei den etwas älteren und erwachsenen Zuschauern, den Cometen zu einem etablierten Popmusik-Preis zu machen. Das ist insofern ein ehrgeiziges Projekt, weil es mit dem Echo bereits eine bekannte Preisverleihung gibt, wobei der Comet anders positioniert ist.

mw: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Viva?

Worms: Die Initiative ging eher von Dieter Gorny aus, den ich schon lange kenne. Wir haben uns getroffen und Möglichkeiten eruiert. Gerade nach dem Ende unserer Jugend-Musiksendung „Chart Attack“ haben wir gesagt: „Versuchen wir es.“ Und ich denke, dass es für beide Seiten gewinnbringend ist.

mw: Welches Fazit ziehen Sie nach den ersten beiden Jahren?

Worms: Die Kooperation verlief bisher zu unserer vollen Zufriedenheit, denn die Zusammenarbeit mit Viva ist sehr unkompliziert und professionell. Wir müssen jetzt nach diesem Start schauen, ob man andere Felder findet, in die wir unsere Kooperation ausweiten können. Das hielte ich für sehr sinnvoll.

mw: Gibt es ein redaktionelles Mitspracherecht bei der Konzeption der Sendung?

Worms: Nein, der Comet wird von Viva gemacht. Es ist einfach so, dass wir die Show gemeinsam übertragen und uns dafür an einen Tisch setzen und planen. Das ZDF hat bei großen Shows eine größere Erfahrung. Es wäre albern, wenn wir versuchen würden, schlauer zu sein als die Kollegen, die täglich mit dieser Zielgruppe zu tun haben. Das ZDF bringt vor allem Know-How bei der Logistik und anderen produktionstechnischen Bereichen ein.

mw: Beteiligt sich das ZDF auch an den Produktionskosten?

Worms: In geringen Maßen, hauptsächlich durch Beistellungen technischer Natur. Den Hauptteil tragen die Sponsoren.

mw: Warum bringen Sie dieses Jahr die Aufzeichnung am frühen Samstagnachmittag?

Worms: Wir haben den Cometen bisher recht spät übertragen. Und zu diesem Zeitpunkt haben die Quoten im Rahmen der Erwartungen stagniert. Wir glauben, mit einer Ausstrahlung um 14 Uhr die Zielgruppe besser zu erreichen, zudem hatten wir Beschwerden von jungen Leuten, denen die Übertragung zu spät war. Und RTL II hat etwa bei „The Dome“ mit dieser Sendezeit gute Resultate erzielt. Da sind die Kids offenbar bereit, wenn ein Programm gezielt für sie gemacht wird, sich das auch anzusehen. Andererseits ist diese Zeit für uns auch etwas try and error, denn wir haben zwar mit Verleihungen viele Erfahrungen gesammelt, aber wo wir diese spezielle Zielgruppe am besten treffen, müssen wir noch feststellen. Ich denke jedoch, es war eine kluge Entscheidung, die Ausstrahlung früher zu zeigen. Und in einem Vollprogramm wie dem ZDF können wir eine Sendung wie den Cometen nicht um 20.15 Uhr bringen, dafür ist das Produkt zu spitz.

mw: Welche Quote erwarten Sie?

Worms: Das kann ich nicht sagen. Ein Vollprogramm wie das ZDF ist ansonsten immer daran interessiert, wie hoch der Gesamtmarktanteil ist, aber um diese Zeit ist es spannend zu sehen, wieviel wir in der Zielgruppe der jungen Leute holen, wieviele davon das ZDF um 14 Uhr tatsächlich erreichen kann und ob die Leute bei so einem Angebot überhaupt zum ZDF kommen. Ich glaube, ja.

mw: Wer bestimmt die redaktionellen Inhalte der ZDF-Sendung?

Worms: Das machen wir. Aber die Moderatoren – Jessica Schwarz und Sascha – moderieren unsere wie auch später die Viva-Sendung. Wir haben im Vorfeld gemeinsam mit Viva die Moderatorenfrage erörtert. Bei einem Zielgruppenprogramm wie Viva sind viele ihrer VJs sehr bekannt, verfügen aber außerhalb über einen geringen Bekanntheitsgrad. Deswegen ist Sascha ein Glücksfall, über den wir nicht diskutieren mussten. Als ich dazu befragt wurde, habe ich genau wie Dieter Gorny reagiert und gesagt: „Toll, machen!“

mw: Wäre eine Kooperation mit den MTV Europe Music Awards denkbar?

Worms: Grundsätzlich ist auch eine solche Kooperation denkbar, aber aufgrund des knallharten Wettbewerbs zwischen Viva und MTV ist eine Zusammenarbeit mit beiden gleichzeitig allein aus hygienischen Gründen für das ZDF zurzeit eher kein Thema.

mw: Bewerten Sie die Zusammenarbeit zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten insgesamt als Erfolg?

Worms: Die kann man als Erfolg werten, auch wenn wir nicht verhehlen, dass wir uns gewünscht hätten, dass alles noch ein bisschen schneller vorangeht. Denn wir hätten gern noch mehr Möglichkeiten gefunden, diese Kooperation mit Leben zu erfüllen. Aber dafür muss es auch immer erst die Felder geben. Ich weiß aus meiner Zeit beim Radio, als ich auch mit einem kleinem Team gearbeitet habe, dass so ein Haus für neue Projekte nur begrenzt belastbar ist. Wir sind jedenfalls bereit, die Zusammenarbeit noch auszubauen.