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US-Branche hofft auf Lockerung der Moralregeln bei Wal-Mart

Amerikanische Plattenfirmen hoffen derzeit auf eine Änderung der Firmenpolitik beim größten CD-Händler des Landes. Wal-Mart erwägt angeblich, künftig auch CDs mit „Parental Advisory“-Aufklebern ins Angebot zu nehmen.

Amerikanische Plattenfirmen hoffen derzeit auf eine Änderung der Firmenpolitik beim größten CD-Händler des Landes. Wal-Mart erwägt angeblich, künftig auch CDs mit „Parental Advisory“-Aufklebern ins Angebot zu nehmen. Was in der deutschen Branche vermutlich nur verständnisloses Kopfschütteln oder hämisches Grinsen hervorrufen würde, ist für US-Labels seit Jahren unangenehmer Teil des Geschäfts: Wal-Mart verkauft nichts, was nicht familientauglich ist im Sinne amerikanischer Moralvorstellungen. Dazu gehört auch ein Bann für Musikprodukte, in denen es sprachlich, optisch oder inhaltlich nicht einwandfrei zugeht.

Deshalb gibt es bei Wal-Mart dem Vernehmen nach sogar eine „Profanity-Unit“ – im Prinzip nichts anderes als ein internes Zensurgremium, das nichts anderes macht als strittigen Angeboten den Weg ins Regal zu verwehren. Wer Platten mit nicht jugendfreien Texten veröffentlicht, kommt also bei Wal-Mart nicht ins Lager – es sei denn, man erstellt zusätzlich eine entschärfte „Clean“-Version seines Produkts. Diese Moralschranke könnte nun möglicherweise fallen.

Einerseits, weil in der Zentrale in Bentonville ein Generationswechsel in manchen Schlüsselpositionen erfolgt ist, zum anderen, weil Wal-Mart gerne auch mit der hippen, jugendlichen Klientel ins Geschäft kommen möchte. Wer Markenkleidung von Destiny’s Child, Jennifer Lopez oder Ashanti verkauft, zielt z.B. auch auf eine Kundschaft ab, die R&B und HipHop bevorzugt – eine Musikrichtung, die den Sittenwächtern bei Wal-Mart nicht immer genehm sein dürfte. Offiziell gibt es noch keine Entscheidung zum eventuellen grünen Licht für dirty lyrics, doch für die Branche gilt als sicher: Verkauft Wal-Mart auch „Parental Advisory“-Platten, kann man sich die Zusatzkosten für die Erstellung von sauberen Versionen sparen.

Dann würden auch die gesamten Verkaufszahlen der Plattenfirmen steigen, da viele Toptitel beim Musikhändler Nummer eins derzeit gar nicht angeboten werden. Ob es noch vor dem Herbst zu einer für die Industrie positiven Entscheidung kommt, ist indes unklar.

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