Die relativ guten Verkaufszahlen der aktuellen Nummer eins in den US-Charts haben in der amerikanischen Branche eine Debatte über das Für und Wider von restriktiver VÖ-Planung ausgelöst. Angeblich kam ein Downloadverkaufsstop für Ne-Yos Single den Albumverkäufen zu Gute. Weil die Island Def Jam Group (IDJ) Ne-Yos Hitsingle „So Sick“ vor dem Veröffentlichungstermin des zugehörigen Albums „In My Own Words“ nicht zum Verkauf in den diversen Digitalshops freigegeben hat, vermuten IDJ-COO Steve Bartels und andere in der Branche, dass die Fans beim Verkaufsstart eher zum Album griffen als zum Single-Download.
301.000 Exemplare setzte der Longplayer in der ersten Woche ab – mehr als alle andere Platten seit Jahresbeginn. „Wenn man weiß, dass man eine Platte mit Potenzial in der Hand hat, dann muss man sie vorsichtig auf den Markt bringen“, meint Bartels. „Unser Geschäft besteht darin, Konsumenten zu wahren Fans zu machen“, sagte er in der „New York Times“. Wenn nach der Veröffentlichung einer Hitsingle bereits die größte Begeisterung und Nachfrage befriedigt ist, ohne dass Leute das ganze Album gehört haben, habe man als Label ein Problem. Dass durch die Einzeltrackverkäufe in den Downloadshops das Konzept des Albumgeschäfts in Gefahr ist, bestreitet in der Branche kaum jemand, doch die VÖ-Planung der IDJ halten beileibe nicht alle für die richtige Strategie: „Die Labels schießen sich damit selbst ins Knie“, kontert Tim Quirk, Leiter des Rhapsody-Diensts von RealNetworks.
„Jeder Titel, den die Firmen zurückhalten wollen, ist ohnehin online zu finden – ob es einem gefällt oder nicht.“ Die Nachfrage nach einem Song über Airplay zu schüren, ohne ein Produkt im Handel zu haben, treibe die Menschen nur noch stärker zu den illegalen Quellen im Netz, meinen Kritiker. „So Sick“ z.B. wurde laut BigChampagne vor VÖ rund 3,4 Mio. Mal via P2P heruntergeladen. Die legalen Downloadverkäufe des Hits beliefen sich in der letzten Woche auf 120.000 Einheiten. Und der vergleichsweise starke Albenabsatz von Ne-Yo könnte auch andere Ursachen haben: IDJ bot die CD im Handel zu Sonder-HAPs an, sodass sie bisweilen für unter acht Dollar auf der Angebotsschiene stand.



